Nach den besonders starken Prämienerhöhungen in den letzten Jahren scheint die Hoffnung auf eine Entspannung erneut in
weite Ferne zu rücken. In 2026 sind die Prämien bereits um durchschnittlich 4.4% gestiegen. Für 2027 deuten mehrere Indikatoren
darauf hin, dass der Druck weiterhin hoch bleiben wird. bonus.ch rechnet mit einer Erhöhung um 4.5% bis 5% Unter Berücksichtigung der Entwicklung der Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung, der finanziellen Lage der
Versicherer und des erwarteten leichten Aufholeffekts schätzt bonus.ch, dass eine durchschnittliche Erhöhung zwischen 4.5% und
5% derzeit das wahrscheinlichste Szenario für 2027 ist. Eine günstigere Entwicklung im Bereich von 3.5% bis 4% würde
eine stärkere Verlangsamung des Kostenanstiegs erfordern, als derzeit erwartet wird. Sollten hingegen die Ausgaben in 2026 die
Prognosen übersteigen oder sollte die Umstellung auf die neuen ambulanten Tarife zusätzliche Kosten verursachen, könnte die
Erhöhung die Marke von 5% überschreiten. Einige Prämien könnten um bis zu 20% steigen Der nationale
Durchschnitt wird jedoch nicht die tatsächliche Situation jedes einzelnen Versicherten widerspiegeln. Die Prämienunterschiede
hängen insbesondere von der Krankenkasse, dem Kanton, der Prämienregion, dem Alter, der Franchise und dem gewählten
Versicherungsmodell ab. Bei bestimmten Krankenkassen oder Tarifkategorien könnten die Erhöhungen in 2027 somit über
10% liegen. Im ungünstigsten Fall könnten einzelne Prämien sogar um 20% steigen. Noch grössere Abweichungen von
bis zu 50% sind theoretisch möglich, wenn ein Versicherer in einer Region oder für ein bestimmtes Modell eine wesentliche
Tarifneupositionierung vornimmt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt betrachtet bonus.ch diese Extremfälle jedoch nicht als repräsentativ
für die in 2027 allgemein erwartete Entwicklung. Warum werden die Prämien erneut erhöht? Der
wichtigste Faktor ist nach wie vor die Entwicklung der von der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) übernommenen Kosten.
Im zweiten Quartal 2026 belief sich der Kostenanstieg in der obligatorischen Krankenversicherung auf +0.4% im Jahresvergleich,
gegenüber +2.9% im ersten Quartal. In den letzten zwölf Monaten verursachte eine versicherte Person im Durchschnitt Kosten in
Höhe von CHF 4'834.-, die von der OKP getragen wurden, das sind CHF 21.- mehr als ein Jahr zuvor. Dieser geringe
Anstieg ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Die Einführung des neuen pauschalen Tarifsystems für ambulante medizinische
Leistungen führt derzeit zu Verzögerungen bei der Abrechnung im Ambulanzbereich. Dies schlägt sich vorübergehend in einem
starken Rückgang der in diesem Bereich verbuchten Kosten nieder: -4% im ersten Quartal und -16% im zweiten Quartal 2026 im
Vergleich zum Vorjahr. Derzeit lässt sich noch nicht abschätzen, wann diese Rechnungen nachträglich verbucht werden
und welche Auswirkungen sie auf die zukünftige Kostenentwicklung haben werden. Der im zweiten Quartal verzeichnete Anstieg
um +0.4% kann daher nicht als Beweis für eine nachhaltige Verlangsamung der Gesundheitsausgaben gewertet werden.
Bis zu +15% in bestimmten Bereichen des Gesundheitswesens Gleichzeitig verzeichnen mehrere
Leistungskategorien weiterhin einen deutlich überdurchschnittlichen Zuwachs. Die häusliche Pflege (SPITEX) verzeichnet den
stärksten Anstieg mit +14% im ersten Quartal und +15% im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des
Vorjahres. Auch die Ausgaben für Psycholog.innen und Psychotherapeut.innen steigen deutlich an, und zwar um +10% bzw. +11%.
Auch in mehreren weiteren Bereichen bleibt der Kostenanstieg hoch: Im Gegensatz dazu stiegen die von Ärzt.innen
verschriebenen Arzneimittel im ersten Quartal um 1%, bevor sie im zweiten Quartal um 1% zurückgingen. Die Kosten für
Laborleistungen in Arztpraxen blieben hingegen nahezu stabil. Von +9.6% bis -8.7%: erhebliche Unterschiede
zwischen den Kantonen Auch von Kanton zu Kanton sind die Unterschiede sehr gross. Während der nationale
Durchschnitt im zweiten Quartal 2026 bei lediglich +0.4% liegt, reichen die Schwankungen von +9.6% in Schaffhausen bis zu -8.7%
in Zug. Schaffhausen sticht deutlich hervor. Nach einem bereits hohen Anstieg von +7.2% im ersten Quartal stiegen die
Kosten dort im zweiten Quartal erneut um +9.6% im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Auch Glarus (+4.4%),
Graubünden (+3.7%), Jura (+3.6%) und Zürich (+3.3%) verzeichnen einen Anstieg, der deutlich über dem nationalen Durchschnitt
liegt. Im Gegensatz dazu verzeichnen mehrere Kantone vorläufig einen Rückgang der Kosten, insbesondere Solothurn
(-2.3%), Basel-Stadt (-1.6%), Bern (-1.3%), Thurgau (-1.0%), Genf (-0.9%) und vor allem Zug (-8.7%). Die
Jahresprognosen weisen weiterhin einen deutlichen Aufwärtstrend auf Abgesehen von diesen vierteljährlichen
Schwankungen liegen die für das gesamte Jahr verfügbaren Prognosen weiterhin deutlich höher. Gemäss den jüngsten Prognosen
der KOF der ETH Zürich für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dürften die Kosten pro Versicherten in 2026 um 4.5% und in
2027 um weitere 4.0% steigen. Sie würden somit von CHF 4'968.- pro Versicherten in 2025 auf CHF 5'191.- in 2026 und
auf fast CHF 5'400.- in 2027 steigen. In nur vier Jahren, zwischen 2023 und 2027, würde der Anstieg fast CHF 900.- pro Person
betragen. Die KOF rechnet daher nicht mit einer echten Trendwende, sondern lediglich mit einer leichten Verlangsamung des
Ausgabenanstiegs. Die Versicherer selbst rechnen für 2026 mit Mehrkosten von über 5% Die jüngsten
Angaben des BAG untermauern diesen Trend. Nach den von den Versicherern vorgelegten Schätzungen dürften die Kosten im
Gesamtjahr 2026 um etwas mehr als 5% steigen. Das Bundesamt weist zudem darauf hin, dass bei der Berechnung der
Prämien für 2027 ein leichter Aufholeffekt eintreten dürfte. Die für 2026 geschätzte Combined Ratio liegt nämlich bei fast 101%. Mit
anderen Worten: Die eingenommenen Prämien würden die Aufwendungen nicht vollständig decken. Das BAG schätzt daher, dass
der Prämienanstieg für 2027 etwas höher ausfallen dürfte als der erwartete Kostenanstieg. CHF 8.6 Milliarden an
Reserven: ein Puffer, aber keine ausreichende Bremse Die finanzielle Lage der Krankenkassen hat sich jedoch
deutlich verbessert. Vor allem dank guter Anlagerenditen erzielten die Versicherer in 2025 einen Gesamtüberschuss von fast CHF
569 Millionen, der vollständig den Reserven zugeführt wurde. Diese belaufen sich nun auf CHF 8.6 Milliarden. Diese
Verbesserung ist eine gute Nachricht und dürfte dazu beitragen, den Druck auf die Prämien zu begrenzen. Sie reicht jedoch nicht
aus, um einen jährlichen Anstieg der Gesundheitsausgaben in der Grössenordnung von 4% bis 5% dauerhaft auszugleichen. Die Reserven dienen in erster Linie dazu, die Solvenz der Versicherer zu gewährleisten und aussergewöhnliche
Schwankungen abzufedern. Damit das System finanziell im Gleichgewicht bleibt, müssen die Prämien langfristig der Entwicklung
der zu finanzierenden Leistungen folgen. Die Politik des Abbaus der Reserven sorgt für Diskussionen Die
Entwicklung der Reserven muss auch vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren getroffenen Entscheidungen betrachtet
werden. In 2021 hat der Bund die Vorschriften gelockert, um deren Abbau zu erleichtern, insbesondere mit dem Ziel, dass die
überschüssigen Reserven den Versicherten in Form niedrigerer Prämien stärker zugutekommen. Diese Politik ermöglichte
es, die Prämienbelastung vorübergehend zu begrenzen, schmälerte jedoch gleichzeitig das finanzielle Polster, über das bestimmte
Kassen verfügten, um eine ungünstige Kostenentwicklung abzufedern. Als die Ausgaben stark anstiegen, mussten mehrere
Versicherer daher ihr finanzielles Gleichgewicht wiederherstellen und ihre Reserven aufbauen, was zu den anschliessend
beobachteten erheblichen Prämienanpassungen beitrug. Diese Massnahme wird derzeit diskutiert: Ein zu starker Abbau
der Reserven kann die Prämien kurzfristig zwar entlasten, verringert aber zugleich die Kapazität der Versicherer,
Kostensteigerungen über die Zeit abzufedern. Entscheidend ist daher, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem Abbau als
überhöht erachteter Reserven und der Aufrechterhaltung eines ausreichenden finanziellen Polsters, um allzu abrupte
Tarifanpassungen zu vermeiden. Von 5% bis 53%: Die Reserven variieren je nach Versicherer stark Hinter
dem Gesamtbetrag der Reserven verbergen sich zudem sehr unterschiedliche finanzielle Situationen der einzelnen
Krankenkassen. Nach den neuesten verfügbaren detaillierten Daten pro Versicherer variierten die Reservesätze in 2024 stark.
Unter den führenden Krankenversicherungen der Schweiz hatte Visana einen Reservesatz von 53%, Agrisano 39% und
CONCORDIA 31%, gegenüber 9% bei Assura und Mutuel Assurance sowie nur 5% bei Philos. Reserven, die seit 2020
stark geschrumpft sind Die historischen Daten zeigen zudem, dass der Reservesatz bei mehreren Versicherern in den
letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Zwischen 2020 und 2024 sank der Satz beispielsweise bei CSS von 31% auf 11%, bei
Helsana von 32% auf 13%, bei CONCORDIA von 50% auf 31% und bei Vivao Sympany von 32% auf 13%. Selbst bei den
Versicherern, die noch über hohe Reserven verfügen, war teilweise ein Abbau zu verzeichnen: Bei Visana sank die Satz von 66%
in 2020 auf 53% in 2024, bei Agrisano von 47% auf 39%. Zugang zur Studie über die Krankenkassenprämien 2027: https://www.bonus.ch/Pdf/2026/Krankenkassenpraemien-2027.pdf Zugang zum Krankenkassenprämienvergleich: https://www.bonus.ch/zrNXK1R.aspx Pressekontakt: bonus.ch SA
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