Obwohl sie das Gegenteil behauptet, richtet sich die Tabakindustrie weiterhin an junge Menschen. Für ihr Überleben ist sie
darauf angewiesen, ständig neue Konsumierende zu gewinnen. Da die meisten Rauchenden bereits vor Erreichen der Volljährigkeit
mit dem Rauchen beginnen und es selten vorkommt, dass man erst nach dem 21. Lebensjahr damit anfängt, bleiben junge
Menschen ihre wichtigste Zielgruppe. Je früher mit dem Konsum begonnen wird, desto höher ist das Risiko einer langfristigen
Nikotinabhängigkeit, da diese im sich noch entwickelnden Gehirn von Jugendlichen leichter entsteht. Diese Logik spiegelt sich auch in den jüngsten Rekursen der Tabakindustrie. So hat Philip Morris gegen die Verbote von
Einweg-E-Zigaretten in Genf und im Wallis rekurriert. Diese Produkte dienen sehr oft als Einstieg der Jugendlichen in den
Nikotinkonsum und tragen dazu bei, sie als zukünftige Kundinnen und Kunden an das Nikotin zu binden. Die Analyse zeigt, dass die Strategie "For adults only" keineswegs dem Jugendschutz dient. Interne Dokumente von Philip
Morris belegen vielmehr, dass Tabakprodukte bewusst als Produkte "nur für Erwachsene" positioniert wurden, um dem
Unternehmen einerseits ein verantwortungsbewusstes Image zu geben und andererseits den Reiz der "Grenzüberschreitung" und
des Erwachsenwerdens gezielt zu nutzen, um Jugendliche anzusprechen. Durch Marktanalysen, teilweise auch in Zusammenarbeit mit Hochschulen (wie beispielsweise im Fall Schmid-Kitsikis), wurde
das Verhalten und die Vorlieben der Jugendlichen analysiert und diese nach Einstiegswahrscheinlichkeit segmentiert. So fanden sie
z.B. heraus, dass die Risikobereitschaft der Jugendlichen ab 13 Jahren zunimmt, und dass sie positiver auf das Rauchen von
Erwachsenen als auf dasjenige von Jugendlichen reagieren. Daraufhin wurden jugendliche Werte wie Unabhängigkeit, Freiheit und Risikobereitschaft in Werbekampagnen gezielt mit
Tabakprodukten verknüpft. Die Analyse zeigt, dass dieses Grundprinzip bis heute gilt, auch wenn sich die Kommunikationskanäle
verändert haben. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Marketinginstrumente weiterentwickelt haben, das Ziel jedoch unverändert geblieben ist.
Mit Inkrafttreten der Verordnung über Tabakprodukte wird Werbung für Tabak- und Nikotinprodukte, die Kinder und Jugendliche
erreicht, ab Anfang 2027 endlich verboten. Entscheidend wird jedoch sein, diese Bestimmungen auch konsequent durchzusetzen -
insbesondere in sozialen Medien sowie bei Influencer-Marketing, Product Placement und an Festivals. Gleichzeitig besteht bei der
Regulierung von Aromen weiterhin erheblicher Nachholbedarf. Zahlreiche europäische Länder haben hier bereits Massnahmen
ergriffen, um Jugendliche besser vor einem Einstieg in den Nikotinkonsum zu schützen, wie z.B. mit dem Verbot aromatisierter
Zigaretten. Worauf wartet die Schweiz? ZITAT "Trotz ihrer Beteuerungen richtet die Tabakindustrie ihre Werbung weiterhin gezielt an Jugendliche. Es
ist Zeit, dass das Parlament wirksamere Massnahmen zu deren Schutz ergreift." Sophie Lonchampt, wissenschaftliche Mitarbeiterin, OxySuisse Pressekontakt: Markus
Meury"For adults only": Die verbotene Frucht
Aromen, Social Media und Product Placement - genau dort, wo die Jugendlichen sind
Social Media und InfluencerInnen spielen in der Produktwerbung eine immer grössere Rolle, wie eine Untersuchung von OxySuisse
bereits im Jahr 2024 nachwies. Die meisten Jugendlichen sehen heute auf Social Media-Kanälen regelmässig Nikotinwerbung.
Doch in diesem Raum ist die Werbung schwieriger kontrollierbar. Trotz dieser Entwicklungen hat das Schweizer Parlament bislang
darauf verzichtet, auch nur Transparenzvorschriften für Influencer einzuführen (siehe Motion Rumy).
Product Placements: Einem französischen Bericht zufolge hat sich das Ausmass der Platzierung von Tabakprodukten in den
Filmserien, die die Jugendlichen sehen, in den letzten 10 Jahren vervierfacht. Im Jahr 2025 enthielten mehr als die Hälfte der
Jugendserien Rauchszenen.
Sponsoring von Festivals: Während der Umsetzung der Initiative "Kinder ohne Tabak" gelang es der Tabakindustrie dank
Lobbyarbeit, die attraktiven Promotionszonen auf Festivals, die volljährigen Besuchern vorbehalten sind, beizubehalten. Ein
Ausschluss von Minderjährigen, der paradoxerweise die Attraktivität dieser Veranstaltungen für Jugendliche erhöhen könnte. In
diesem Zusammenhang wirbt Philip Morris für die Kampagne "Curiosity". Die Schweiz hat dringenden Handlungsbedarf
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