125 Jahre nach ihrer Gründung zieht Caritas Schweiz Bilanz über die weltweite Entwicklung der Armut. "Die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte sind
beeindruckend - doch sie können schnell wieder verloren gehen", warnt Esther Reinhard, Direktorin ad interim von Caritas Schweiz. Während die Klimakrise,
Kriege und Ungleichheiten zunehmen, kürzen reiche Länder wie die Schweiz ihre Beiträge für die internationale Zusammenarbeit massiv. Esther Reinhard: "Die
Reduktion der Armut ist nahezu zum Stillstand gekommen." Derzeit sind weltweit rund 1,1 Milliarden Menschen betroffen. Auch in der Schweiz ist Armut
zu einem chronischen Problem geworden. Bund, Kantone und Gemeinden verfügen über keine gemeinsame Strategie, um das Problem wirksam anzugehen. Die
Anzahl Menschen, die unter oder knapp über dem Existenzminimum leben, verharrt auf hohem Niveau bei 1,45 Millionen Menschen. Das ist jede sechste Person
- im Durchschnitt sitzen in jeder Schulklasse vier Kinder, deren Eltern sich das Nötigste kaum leisten können. Trotz dieser hohen Zahlen stehen
Sozialleistungen und Grundrechte unter Druck: Familien, die am Existenzminimum leben, sehen sich enormen Belastungen ausgesetzt, werden vom Staat aber
allein gelassen. Menschen ohne Schweizer Pass riskieren ihr Aufenthaltsrecht, wenn sie Sozialhilfe beziehen, und Geflüchteten wird die Sozialhilfe gekürzt. "Die
aktuellen Entwicklungen bereiten mir Sorgen", sagt Esther Reinhard. "Gerade jetzt müssen wir verhindern, dass wieder mehr Menschen in eine prekäre
Lebenslage geraten. Es braucht in der Politik mehr Mut im Kampf gegen Armut." Ausstellung: Verschiedene Dimensionen von Armut erfahren
Mit der Ausstellung "Ungleich verteilt - was Armut mit uns zu tun hat" will Caritas Schweiz die Öffentlichkeit und insbesondere Schülerinnen und Schüler für das
Thema sensibilisieren. Vom 9. bis 30. September zeigt die Ausstellung am Hauptsitz in Luzern, was Armut in der Schweiz und weltweit bedeutet, wie sie entsteht
und was dagegen getan werden kann. Interaktive Elemente ermöglichen einen Perspektivenwechsel und machen verschiedene Dimensionen von Armut
erfahrbar. "Armut ist mehr als zu wenig Geld zu haben", sagt Monika Maire-Hefti, Präsidentin von Caritas Schweiz. "Armut beeinflusst, wo jemand
wohnen kann, welche Bildungschancen offenstehen, wie gesund jemand lebt und ob gesellschaftliche Teilhabe möglich ist. Mit der Ausstellung zeigen wir, dass
Armut uns alle betrifft." 125 Jahre: Vom Helfen zum Verändern Als am 23. September 1901 der Schweizerische Caritas-Verband gegründet
wurde, stand die organisierte katholische "Nächstenliebe" im Zentrum. Seither hat sich das Verständnis der Caritas von Armut und Armutsbekämpfung
grundlegend verändert: Aus einer zunächst konfessionell geprägten Hilfe für Menschen in Not entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit den betroffenen
Menschen - auf Augenhöhe und mit lokaler Verantwortung in den Projektländern. Heute unterstützt Caritas Schweiz weltweit rund 500'000 Menschen pro
Jahr. Dabei geht es nicht nur darum, akute Not zu lindern, sondern eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Die Caritas setzt sich deshalb auch für strukturelle
Veränderungen der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ein, indem sie ihre Expertise aktiv in die öffentliche Debatte einbringt. "125
Jahre Caritas Schweiz zeigen: Armut lässt sich wirksam bekämpfen", sagt Monika Maire-Hefti. "Wo Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Betroffene gemeinsam
handeln, sind Veränderungen möglich. Diesen Anspruch müssen wir auch in Zukunft mit Nachdruck verfolgen." Hinweis an die Redaktionen
Caritas Schweiz führt anlässlich ihres 125-Jahr-Jubiläums diverse Veranstaltungen an ihrem Hauptsitz in Luzern durch, an die Medienschaffende herzlich
eingeladen sind: Gerne stellen wir historische Dokumente und Bildmaterial zur Verfügung und vermitteln Interviews. Mehr Informationen unter: www.caritas.ch/jubiläum. Zahlen und Fakten zu Armut und zu Caritas Schweiz Pressekontakt: Niels Jost, Mediensprecher Caritas Schweiz
medien@caritas.ch
076
233 45 04
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