Die Schweiz baut eine zusätzliche Absicherung für den elektronischen Zahlungsverkehr auf. Ziel ist, dass wichtige Einkäufe auch dann noch mit Karte möglich sind, wenn technische Störungen die Verbindung zu den Zahlungssystemen unterbrechen. Im Mittelpunkt stehen Bereiche der täglichen Grundversorgung – insbesondere Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff. Entwickelt wurde die Branchenlösung unter Federführung der Wirtschaftlichen Landesversorgung zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Finanzinstituten, Unternehmen der Zahlungsverkehrsinfrastruktur und dem Detailhandel. Damit reagiert die Schweiz auf eine zunehmende Abhängigkeit vom elektronischen Zahlungsverkehr. Fällt eine Daten- oder Kommunikationsverbindung aus, kann aus einem technischen Problem rasch eine konkrete Einschränkung für Bevölkerung und Handel werden. Bei einer normalen Kartenzahlung wird die Transaktion über eine bestehende Verbindung zu den beteiligten Zahlungssystemen geprüft und verarbeitet. Die neue Offline-Funktion schafft für Störfälle eine zusätzliche Rückfallebene. Kann ein Zahlungsterminal keine Online-Verbindung herstellen, erfolgt eine grundlegende Prüfung direkt zwischen der physischen Karte und dem Terminal. Die Kundin oder der Kunde steckt die Karte in das Lesegerät und bestätigt die Zahlung mit der PIN. Die eigentliche Verarbeitung der Transaktion wird nachgeholt, sobald die Verbindung wieder funktioniert. Auch die Belastung des Kartenkontos erfolgt erst zu diesem späteren Zeitpunkt. Die Offline-Funktion ist ausdrücklich für technische Ausnahmesituationen gedacht und nicht als Ersatz für den normalen elektronischen Zahlungsverkehr. Die Dimension der geplanten Lösung ist beträchtlich. Nach Angaben des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung BWL bestehen bereits Zusagen für rund 16,5 Millionen Debit- und Kreditkarten, die künftig für Offline-Zahlungen vorbereitet werden sollen. Banken, Zahlungsdienstleister und Anbieter der Zahlungsinfrastruktur setzen die dafür notwendigen technischen Anpassungen schrittweise um. Ziel ist, die neue Bezahlmöglichkeit bis Ende 2027 breit verfügbar zu machen. Die Teilnahme basiert auf einer freiwilligen Branchenvereinbarung. Schon die bisherigen Zusagen umfassen einen grossen Teil des Schweizer Lebensmittelhandels. Weitere Detailhändler können sich der Branchenlösung anschliessen. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist keine besondere Notfallkarte erforderlich. Genutzt werden sollen die bereits vorhandenen Debit- und Kreditkarten, sofern diese entsprechend vorbereitet sind. Ein Punkt dürfte viele Konsumentinnen und Konsumenten überraschen: Wer ausschliesslich mit Smartphone oder Smartwatch bezahlt, kann die neue Offline-Funktion nicht nutzen. Vorgesehen ist die Lösung für physische Debit- und Kreditkarten. Die Karte muss in das Zahlungsterminal eingesteckt und die Zahlung mit der persönlichen PIN bestätigt werden. Kontaktloses Bezahlen und mobile Zahlungsverfahren werden im Offline-Betrieb nicht unterstützt. Damit erhält die klassische physische Zahlungskarte ausgerechnet in einer zunehmend digitalen Zahlungswelt eine zusätzliche Bedeutung als Rückfallebene für Störfälle. Die Offline-Funktion soll nicht für jeden beliebigen Einkauf zur Verfügung stehen. Sie konzentriert sich auf Verkaufsstellen, die für die Grundversorgung der Bevölkerung besonders wichtig sind. Dazu gehören vor allem: Gerade in diesen Bereichen kann ein längerer Ausfall elektronischer Zahlungssysteme rasch Auswirkungen auf den Alltag haben. Offline-Zahlungen unterliegen deshalb auch technischen Sicherheitsvorgaben sowie Begrenzungen bei Betrag und Nutzung. Die konkreten Limiten werden aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich bekannt gegeben. Sie sollen so ausgestaltet sein, dass notwendige Einkäufe weiterhin möglich bleiben und gleichzeitig das Risiko von Missbrauch oder Zahlungsausfällen begrenzt wird. Eine wichtige Grenze der Lösung bleibt die Stromversorgung. Ein Zahlungsterminal kann zwar zeitweise ohne Verbindung zum Zahlungsnetz arbeiten, benötigt aber weiterhin Energie. Fällt auch der Strom aus und verfügt das Terminal weder über einen Akku noch über eine andere Notstromversorgung, funktioniert auch die Offline-Kartenzahlung nicht. Die neue Lösung schützt deshalb vor allem vor Störungen bei Datenverbindungen, Kommunikationsnetzen und Zahlungsinfrastruktur. Einen vollständigen Stromausfall kann sie nicht automatisch überbrücken. Die Einführung der Offline-Kartenzahlung macht Bargeld deshalb nicht überflüssig. Die Wirtschaftliche Landesversorgung empfiehlt weiterhin, für ausserordentliche Situationen eine Bargeldreserve bereitzuhalten. Kleine Scheine und Münzen können dabei hilfreich sein, wenn elektronische Zahlungssysteme zeitweise nicht funktionieren. Nach den Empfehlungen des BWL sollte die Bargeldreserve ungefähr für einen Wocheneinkauf und gegebenenfalls eine Tankfüllung ausreichen. Die Schweiz setzt damit auf mehrere Rückfallebenen: normaler elektronischer Zahlungsverkehr, Offline-Kartenzahlung und Bargeld ergänzen sich. Bemerkenswert an der neuen Lösung ist nicht nur die Technik, sondern auch die Zusammenarbeit dahinter. Damit Offline-Zahlungen im Ernstfall funktionieren, müssen Banken, Kartenherausgeber, Zahlungsdienstleister, Anbieter von Zahlungsterminals und Detailhandel aufeinander abgestimmte Voraussetzungen schaffen. Dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL kommt dabei gemeinsam mit der Schweizerischen Nationalbank eine zentrale Rolle zu. Sie bringen staatliche Krisenvorsorge und privatwirtschaftliche Zahlungs- und Versorgungsinfrastruktur zusammen. Die Branchenlösung zeigt, wie stark moderne Versorgungssysteme miteinander verknüpft sind. Banken, Kommunikationsnetze, Zahlungskarten, Terminals und Verkaufsstellen müssen zusammenspielen, damit der Zahlungsverkehr auch während einer Störung möglichst funktionsfähig bleibt. Offline-Kartenzahlungen werden bereits in Schweden eingesetzt. Auch weitere nordeuropäische Länder wie Finnland, Norwegen und Estland arbeiten an entsprechenden Lösungen. Nach Angaben der Wirtschaftlichen Landesversorgung ist die Schweiz das erste Land in Zentraleuropa mit einer breit abgestützten Branchenlösung dieser Art zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des elektronischen Zahlungsverkehrs. Am 24. August 2026 wurde die Initiative an einer Veranstaltung in Bern vorgestellt. Bundespräsident Guy Parmelin, SNB-Präsident Martin Schlegel und Roland Pfister, Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung, würdigten dabei das gemeinsame Engagement für eine robustere Versorgung der Bevölkerung. Für den normalen Zahlungsalltag ändert sich zunächst nichts. Die technische Einführung erfolgt schrittweise. Für die persönliche Vorsorge lassen sich aus der neuen Lösung dennoch drei einfache Punkte ableiten: - Eine physische Debit- oder Kreditkarte bleibt sinnvoll. - Die PIN der Karte sollte bekannt sein. - Eine angemessene Bargeldreserve bleibt trotz Offline-Kartenzahlung empfehlenswert. Die neue Schweizer Lösung macht den elektronischen Zahlungsverkehr nicht unabhängig von technischer Infrastruktur. Sie schafft aber eine zusätzliche Sicherheitsebene für Situationen, in denen eine Online-Verbindung vorübergehend nicht verfügbar ist. Quelle: Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL, Medienmitteilung und FAQ zu Offline-Kartenzahlungen vom 24. August 2026; Schweizerische Nationalbank SNB.So funktioniert die Kartenzahlung ohne Online-Verbindung
Rund 16,5 Millionen Karten sollen vorbereitet werden
Smartphone und Smartwatch funktionieren offline nicht
Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen im Fokus
Offline bedeutet nicht stromlos
Bargeld bleibt Teil der Krisenvorsorge
BWL und SNB bringen Staat und Wirtschaft zusammen
Schweiz gehört international zu den Vorreitern
Was Konsumenten jetzt wissen sollten
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