Seit Anfang Juni ist kaum Regen gefallen und eine Hitzewelle löst die nächste ab. Bereits sind ganze Regionen nicht nur gelb,
sondern braun. Betroffen ist
mehr oder weniger ausgeprägt die ganze Schweiz und fast alle Produktionsbereiche – wenn auch auf unterschiedliche Art.
Fehlendes Futter in der
Tierhaltung Das Gras hat sein Wachstum in den meisten Regionen schon vor Wochen eingestellt. In gewissen
Regionen sind die Pflanzen komplett
verdorrt, so dass es auch bei ausreichend Regen keine Aussichten auf eine weitere ausreichende Futterernte oder grüne
Weidefläche gibt. Die Betriebe müssen
ihren Kühen, Rindern und anderen grasfressenden Nutztieren oft bereits seit Wochen das für den Winter gedachte Futter geben.
Bei vielen dürfte jetzt schon klar
sein, dass es nicht bis zum nächsten Frühjahr reicht. Dann bleiben zwei Optionen: Futter zukaufen oder Tiere schlachten. Der
Futterkauf ist im In- und Ausland
schwierig, da es bei unseren Nachbarländern bezüglich Trockenheit nicht viel besser aussieht. Wer im Inland noch Futter zum
Abgeben hat, kann dies bei einer
der eingerichteten Futterbörsen (z. B. Futterbörse Berner Bauernverband, Futterbörse Zürcher Bauernverband) melden. Aufgrund
der schwierigen
Futtersituation sind die Schlachtzahlen steigend. Die Milchmengen andererseits gingen wegen hitzebedingtem mangelndem Appetit
und einer neuen aus
wärmeren Gefilden eingewanderten Krankheit stark zurück. Im Alpenraum kommen zur Futterknappheit versiegende
Wasserquellen hinzu, weshalb einige Alpen
bereits vorzeitig geleert wurden. Andere versorgen sich mit Wassertransporten Wasser per Strassen- oder Helikoptertransport mit
dem Ziel, möglichst lange vom
Futter in den Sömmerungsgebieten profitieren zu können. Verdurstende Ackerkulturen und teure Bewässerung Im Ackerbau verstärkte
sich die Trockenheit in der Abreifephase von Getreide und Raps, weshalb die Erträge hier weitgehend noch gut waren. Bei den
noch stehenden Kulturen wie
Kartoffeln, Zuckerrüben oder Sonnenblumen sieht es hingegen anders aus. Mit jedem Tag ohne Regen verschlechtern sich deren
Ernteaussichten. Das nationale
Ausmass wird sich erst zeigen. Es hängt auch davon ab, wie sich das Wetter weiter entwickelt. Auch mit Bewässerung schadet die
Hitze den Kartoffeln und
stoppt das Wachstum der Knollen. Qualitative Einbussen in Bezug auf Grösse und Form sind zu erwarten. Im Obst- und
Gemüsebau läuft aktuell kaum etwas
ohne Bewässerung. Vor allem das Bewässern der grossflächigen Gemüsekulturen ist aufwändig und teuer. Dazu kommen
hitzebedingte Qualitätseinbussen. Ernteausfälle und trockenheitsbedingte Mehrkosten verstärken wirtschaftlichen Druck Die Ernteausfälle und
Mehrkosten führen zu steigenden
Produktionskosten für die Agrarprodukte und verschärfen die wirtschaftliche Situation der Bauernbetriebe. Der Schweizer
Bauernverband (SBV) tut sein
Möglichstes, um diese in der aktuell belastenden Situation zu unterstützen. So hat er sich beim Bundesamt für Landwirtschaft für
die gewährten
Ausnahmeregelungen bei den Direktzahlungen eingesetzt, welche die Kantone umsetzen. Da geht es darum, dass die Betriebe die
Direktzahlungen trotzdem
erhalten, auch wenn einzelne Vorgaben nicht oder nicht vollständig erfüllt werden können (z. B. minimale Futteraufnahme auf
Weiden). Ebenso wird es die
Einzelkulturbeiträge auch dann geben, wenn aufgrund der Trockenheit nichts geerntet werden kann. Weiter hat er sich für das
Aussetzen von Zöllen und Abgaben
auf importiertem Raufutter engagiert. Diese wurden mit einer Ausnahme für Ganzpflanzenmais auf den 1. August auch gewährt.
Der Zoll für Ganzpflanzenmais
fällt ab Mitte August auch weg. Produzentenpreise müssen Mehraufwand und Ausfälle decken Als
wichtigsten Punkt für die Betriebe
erachtet der Bauernverband, dass die Produzentenpreise den gestiegenen Produktionskosten bei den betroffenen Produkten
auffangen und entsprechend
steigen. Zudem sind Qualitätsanforderungen anzupassen. Entsprechend engagiert sich der Bauernverband direkt bei den
Detailhändlern und indirekt mit den
Branchenorganisationen für kostendeckende Produzentenpreise, die auch die Mindererträge berücksichtigen. Der Bauernverband
appelliert weiter an die
kantonalen Kreditkassen einfachen Zugang zu Betriebshilfedarlehen (unverzinste Kredite) zu gewähren oder Kulanz bei der
Rückzahlung von Investitionskrediten
zu zeigen. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung in den Sömmerungsgebieten können die Kantone bei der Armee eine Anfrage
stellen.
Emissionen mindern und Anpassungsmassnahmen umsetzen Bei allen erwähnten Punkten geht es darum,
unmittelbare Hilfe sicherzustellen.
Mittel- und langfristig braucht es weitere Massnahmen von Seiten der Betriebe, aber auch von Seiten des Bundes und des
Detailhandels. Bei den Betrieben geht
es einerseits um die Anpassung an den Klimawandel über die Wahl der Kulturen und optimierte Bewirtschaftung, Anschaffung von
Bewässerungsanlagen und
Zugang zu Wasser z. B. über Retentionsbecken und anderseits um die Umsetzung von wirksamen Massnahmen zur
Emissionsminderung. Der Bund ist
insbesondere gefordert, dass er die Betriebe bei den dafür nötigen Investitionen und Massnahmen unterstützt, die Forschung
verstärkt sowie
Versicherungslösungen unterstützt. Bei der Investitionshilfe engagiert sich der Bauernverband deshalb dafür, dass die nötigen
Mittel bereitstehen. Die Abnehmer
und Detailhändler schliesslich haben den grössten Hebel in der Hand. Faire Produzentenpreise, die bessere Einkommen
ermöglichen und es den
Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, Ausfälle abzufedern, Investitionen zu tätigen und sich weiterzuentwickeln. Die aktuelle
Preisspirale gegen unten im Laden
schadet schliesslich sowohl der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit der einheimischen Landwirtschaft als
auch der inländischen
Versorgungssicherheit. Rückfragen:
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