Mit einem Bruttoselbstversorgungsgrad von rund 50 Prozent produziert die Schweizer
Landwirtschaft heute die Hälfte der Lebensmittel, welche die Bevölkerung konsumiert. Dieser Anteil
ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Entsprechend rückt auch der Food Overshoot
Day immer weiter nach vorne. Ab heute ist die Schweiz rechnerisch auf Lebensmittelimporte
angewiesen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Schweiz international einer der
grössten Nettoimporteure Im internationalen Vergleich zeigt sich die wachsende
Abhängigkeit deutlich: Deutschland erreicht einen Selbstversorgungsgrad von rund 88 Prozent und
könnte seine Bevölkerung bis Anfang November mit Lebensmitteln aus eigener Produktion
versorgen. Frankreich produziert sogar genügend Nahrungsmittel, um den Eigenbedarf vollständig zu
decken. Gleichzeitig stehen die weltweiten Produktionsressourcen zunehmend unter Druck.
Landwirtschaftliche Nutzflächen gehen durch Überbauung, Bodenerosion, Versalzung und
Wasserknappheit verloren, während die Weltbevölkerung wächst. Wetterextreme, geopolitische
Konflikte oder Handelsstörungen beeinträchtigen die Versorgung zusätzlich. Je mehr
Import, desto schlechter für die Umwelt Wer Lebensmittel importiert, importiert auch ihre
Umweltbelastung. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt entstehen mehr als zwei Drittel des
konsumbedingten ökologischen Fussabdrucks der Schweiz im Ausland. Eine sinkende
Inlandproduktion führt deshalb nicht zu einer geringeren Umweltbelastung, sondern verlagert und
vergrössert diese. Eine vielfältige und leistungsfähige Schweizer Landwirtschaft sowie der Erhalt der
landwirtschaftlichen Produktionsflächen sind deshalb sowohl für die Ernährungssicherheit als auch
für den Umwelt- und Ressourcenschutz von zentraler Bedeutung. Ernährungsinitiative ist
das falsche Rezept Am 27. September kommt die Initiative für eine sichere Ernährung
zur Abstimmung. Diese verlangt, den Selbstversorgungsgrad auf mindestens 70 Prozent zu erhöhen.
Dieses Ziel will sie durch die Umstellung von Konsum und Produktion auf pflanzliche Lebensmittel
erreichen. Im Grasland Schweiz ist das das nicht standortgerecht. 70 Prozent der
Landwirtschaftsflächen lassen sich nur über grasfressende Nutztiere wie Kühe, Schafe oder Ziegen
überhaupt für die menschliche Ernährung nutzen. Zudem bilden Tiere und pflanzliche Produktion eine
Einheit, denn für das Wachstum brauchen die Kulturen Dünger. Weiter wäre ein massiver Eingriff ins
Konsumverhalten nötig. Denn Eier, Milch und auch Fleisch sind ein integraler Bestandteil der
Ernährung der meisten Schweizerinnen und Schweizer. Um den Selbstversorgungsgrad zu
verbessern, ist vielmehr der vermehrte Kauf von inländischen Lebensmitteln – pflanzlichen wie
tierischen – sowie eine bessere Wertschöpfung auf Stufe der Landwirtschaft nötig. Hier ist die
Agrarpolitik 2030 gefordert! Rückfragen:
Sandra
Helfenstein
Mediensprecherin SBV
Tel. 079
826 89 75
www.sbv-usp.ch
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