In einem winzigen gemieteten Zimmer in Addis Abeba lebt Haddse Nigusse mit ihren elf Monate
alten Zwillingen, dem Mädchen Yamariam und dem Knaben Yabsira. Die 22-Jährige wurde von ihrem
Partner verlassen, als sie im achten Monat schwanger war. Sie wohnt mit den Kindern und ihrer
jüngeren Schwester auf engstem Raum zusammen. Die Schwester verdient in einer Fabrik 8000 Birr
im Monat, umgerechnet rund 40 Franken. "Doch allein die Miete für das Zimmer kostet 6000 Birr",
sagt Haddse Nigusse. "Für Milch, Windeln und Lebensmittel bleibt viel zu wenig Geld übrig."
Um ihre Kinder zu versorgen, bettelt sie vor Kirchen. "Die Menschen geben mir etwas, weil sie die
Zwillinge sehen. Aber die Kinder werden grösser. Ich weiss nicht, wie lange das noch weitergeht."
Ihre schwierige Situation hat sich in den vergangenen Monaten weiter verschärft. Seit dem
Krieg zwischen Iran, Israel und den USA sind die Treibstoffpreise in Äthiopien stark gestiegen. Diesel
verteuerte sich zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 um rund 40 Prozent. Die Folgen treffen ein
Binnenland wie Äthiopien besonders stark. Da nahezu alle Waren über weite Strecken mit Lastwagen
transportiert werden, schlagen höhere Transportkosten direkt auf die Preise für Grundnahrungsmittel
durch. Wie dramatisch die Entwicklung für Familien mit kleinen Kindern ist, erlebt auch
Hanna Addisu. Die 28-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern zur Untermiete. Der
bettlägerige Hausbesitzer lebt in derselben Wohnung in einem einfachen Haus mit Lehmwänden und
Blechdach. Zwischen dem Bereich des Hausbesitzers und dem Zimmer der Familie hängt lediglich
ein Vorhang. Privatsphäre gibt es nicht. Preise teils verdoppelt Ihr Mann
arbeitet als Fahrgeldkassierer in einem Fernbus, Hanna Addisu verkauft Taschentücher und
Kaugummi auf der Strasse. "Vor eineinhalb Jahren reichte das Einkommen zum Überleben", sagt
Hanna Addisu. Doch die langanhaltende Inflation und die neuerlichen Preissteigerungen infolge des
Kriegs am Persischen Golf haben viele Waren seither schier unbezahlbar gemacht: "Ein Liter Milch
kostete 50 Birr, jetzt 85 Birr. Fünf Liter Speiseöl verteuerten sich von 900 auf 2000 Birr. Eine Windel
kostete 12 Birr, heute 25 Birr." Nach der Geburt ihrer Tochter Makrina wuchs die Notlage
zusätzlich. Wegen Komplikationen im Zusammenhang mit ihrem Diabetes musste Hanna Addisu ins
Spital. Gleichzeitig litt das Baby an Gelbsucht. Drei Monate lang konnte die Mutter nicht stillen. Zwar
sammelten Nachbarn Geld für Milchpulver, doch das reichte nicht aus. "Ich hatte grosse Angst um
meine Tochter", sagt Hanna Addisu. Das Mädchen wurde immer schwächer.
Proteinreiche Spezialnahrung Um Kindern wie Makrina und den Zwillingen von
Haddse Nigusse zu helfen, betreibt Menschen für Menschen in Addis Abeba ein
Ernährungsprogramm für besonders gefährdete Familien. Insgesamt 150 mangel- und unterernährte
Kleinkinder erhalten dort die proteinreiche Spezialnahrung Famix. Regelmässige
Gemeinschaftstreffen mit den Müttern, Gewichtskontrollen und Ernährungsberatung begleiten die
Unterstützung. Die ersten Erfolge sind sichtbar. Makrina habe in den vergangenen Wochen
zugenommen, berichtet ihre Mutter. Ähnlich äussert sich Haddse über ihre Zwillinge: "Sie sind jetzt
viel aktiver." Berufsbildung hilft langfristig Menschen für Menschen verbindet
die Nothilfe mit langfristiger Unterstützung. Besonders arme Frauen erhalten die Möglichkeit, eine
Berufsausbildung zu absolvieren. Während der Ausbildungszeit werden ihre Kinder in einer
projekteigenen Kinderkrippe betreut. Nach dem Abschluss können die Frauen eigenes Einkommen
erzielen und ihre Familien selbst versorgen. "Bis jetzt hatte ich nie eine Wahl", sagt Hanna Addisu.
Nun hoffe sie auf einen Ausbildungsplatz und darauf, ihrer Familie künftig ein besseres Leben
ermöglichen zu können. Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die
Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 - 2014) gegründet. Im Geiste des
Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien.
Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der
einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung
und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen
kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.
Spendenkonto: Online spenden: www.mfm.ch Für zusätzliche
Informationen oder Interviews mit Experten, wenden Sie sich bitte an:
Postkonto 90-700 000-4
IBAN: CH97 0900 0000 9070 0000
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Michael Kesselring |
m.kesselring@mfm.ch | Tel.: +41 (0)43 499 10 60
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