Da 90 Prozent des internationalen Handels über die Weltmeere transportiert werden, sind
maritime Sicherheit und stabile Schifffahrtsrouten von entscheidender Bedeutung. Laut des aktuellen
Safety and Shipping Review von Allianz Commercial sind Vorfälle wie die Blockade und gemeldete
Verminung der Strasse von Hormus die jüngsten in einer Reihe von Störungen, die die Schifffahrt
beeinträchtigt haben. Sie markieren den Übergang zu einer "neuen maritimen Ordnung ", welche von
zunehmenden Sicherheitsrisiken entlang strategischer Seewege geprägt ist. Etablierte Handelsrouten
werden unterbrochen, die generelle Unsicherheit sowie die Risikoprämien steigen und der Aufbau
von Resilienz gegenüber reiner Kosteneffizienz rückt in den Mittelpunkt. Neben
geopolitischer Unsicherheit bleiben traditionelle Risiken für die Schifffahrtsbranche ein wesentliches
Thema - obwohl die Zahl der Totalverluste von Schiffen und der gemeldeten Unfälle in den
vergangenen Jahren weiter zurückgegangen ist. Maschinenschäden oder -ausfälle sowie Brände
zählen dabei zu den wichtigsten Schadenursachen und führen zu erheblichen wirtschaftlichen und
versicherten Verlusten. "Unsere Analyse zeigt, dass die Schifffahrtsbranche in den vergangenen
Jahren deutliche Fortschritte bei der maritimen Sicherheit gemacht hat. Gleichzeitig hat sie jedoch
einen grundlegenden Wandel durchlaufen - von Jahrzehnten relativer Stabilität hin zu einem
zunehmend komplexen und volatilen Umfeld. Der Konflikt im Nahen Osten und die Schliessung der
Strasse von Hormus sind nur die jüngsten in einer Reihe schwerwiegender Disruptionen, die Reeder
und Frachtunternehmen getroffen haben. Resilienz, Geopolitik und Effizienz müssen in einer
zunehmend unberechenbaren Welt ausbalanciert werden, in der die Kosten der Unsicherheit die
Schifffahrtsbranche neu prägen", erklärt Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial.
Geopolitische Unsicherheit wird zum Top-Risiko für die Schifffahrtsbranche Der
Konflikt im Nahen Osten hat den Verkehr in der Strasse von Hormus, einer zentralen globalen Route
für den Ölhandel, zum Erliegen gebracht. Daten von Allianz Research zeigen, dass sich rund 1.150
beladene Schiffe (über 100 Gross Tonnage (GT)*) mit einem geschätzten Schiffs- und Frachtwert von
rund 125 Milliarden US-Dollar, einem Volumen von 29 Millionen GT und 20.000 Seeleuten im
Persischen Golf befinden. Sie warten darauf, die Passage nach den jüngsten diplomatischen
Durchbrüchen durchqueren zu können. Dies unterstreicht die strukturelle Bedeutung maritimer
Nadelöhre und ihre zentrale Rolle für Schifffahrt und internationalen Handel. Zugleich verdeutlicht es
die erheblichen Störungen des Schiffsbetriebs und die psychische Belastung für jene Seeleute, die
über Monate hinweg an Bord der Gefahr von Angriffen ausgesetzt waren.
Seeversicherungen standen während des gesamten Konflikts zur Verfügung, wenn auch zu höheren
Prämien für Kasko- und Frachtdeckungen. Für Reeder lag die eigentliche Herausforderung jedoch
weniger in Versicherungsfragen als vielmehr im Risiko für Besatzung und Schiffe im Konfliktgebiet.
Selbst wenn das Abkommen zwischen den USA und dem Iran Bestand hat und die Strasse von
Hormus wieder geöffnet wird, sind belastbare Zusicherungen für eine sichere Passage erforderlich.
Dies beinhaltet die Einbindung der internationalen Gemeinschaft, insbesondere wenn der Verkehr
wieder das Vorkriegsniveau von bis zu 140 Schiffe pro Tag erreichen soll. "Wir sehen eine
wachsende Unsicherheit rund um Schifffahrtsrouten. Jede Art von Ereignis - ein Konflikt, eine
Pandemie oder ein auf Grund gelaufenes Schiff - kann potenziell eine erhebliche Störung der
Schifffahrt und der Lieferketten auslösen. Die Ereignisse im Nahen Osten haben grössere
Auswirkungen, als viele erwartet hätten. Die Schliessung der Strasse von Hormus schafft einen
gefährlichen Präzedenzfall und wirft Fragen zur langfristigen Zukunft anderer kritischer Engpässe auf.
Klar ist: Wir müssen einen Preis für Unsicherheit zahlen - mit einer Verschiebung von Just-in-time- zu
Just-in-case-Lieferketten und einer stärkeren Priorisierung von Resilienz gegenüber Kosteneffizienz",
sagt Captain Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei Allianz Commercial.
Zahl der Totalverluste und Vorfälle auf See sinkt trotz Gegenwind für die Branche
Das aktuelle Bericht zeigt, dass in den vergangenen zehn Jahren mehr als 900 Totalverluste
gemeldet wurden (Schiffe über 100 GT). Zwischen 2016 und Ende 2020 waren es 555,
durchschnittlich 111 pro Jahr. Diese Zahl sank zwischen 2021 und Ende 2025 auf 350,
durchschnittlich 70 pro Jahr. Dies entspricht einem Rückgang um 37 Prozent gegenüber dem
vorherigen Fünfjahreszeitraum und spiegelt die positive Wirkung eines verstärkten Fokus auf
Sicherheitsmassnahmen wider. Für 2025 wurden 43 Totalverluste gemeldet, davon mehr als 30
Schiffe über 500 GT. Weltweit ging die Zahl der Schifffahrtsvorfälle im vergangenen Jahr um
rund 16 Prozent zurück (2.818 im Jahr 2025 gegenüber 3.353 im Jahr 2024). Die Region östliches
Mittelmeer und Schwarzes Meer verzeichnete die höchste Zahl (622), gefolgt von den Britischen
Inseln (619), wo auch die meisten Vorfälle der vergangenen zehn Jahre auftraten.
Maschinenschäden oder -ausfälle waren weltweit die Hauptursache für Schifffahrtsvorfälle und
machten mehr als die Hälfte aus (1.505), gefolgt von Schiffskollisionen (260). Brände auf grossen
Schiffen, darunter Containerschiffe und Autotransporter, bleiben ein Problem. 2025 wurden mehr als
200 Vorfälle gemeldet - weniger als 2024, aber immer noch der zweithöchste Wert des vergangenen
Jahrzehnts, mit mindestens neun gemeldeten Totalverlusten. Die zunehmende Grösse von
Schiffen treibt den Trend zu höheren Schadensmeldungen, bei denen Reeder und Ladungsbeteiligte
Verluste oder Aufwendungen teilen, um die gesamte Unternehmung im Notfall zu retten. Solche
Ansprüche sind typischerweise komplex und hoch. Beiträge zur Deckung von Verlusten können bis
zu 50 Prozent des Frachtwerts betragen - was bei einem Schiff mit mehreren tausend Elektroautos
an Bord beispielsweise leicht mehr als 100 Millionen US-Dollar ausmachen kann.
"Versicherungsmärkte reagieren schnell auf Krisen. Die eigentliche Herausforderung für
Unternehmen besteht darin zu verstehen, wie Risiken miteinander verknüpft sind. Deshalb sind
Resilienz und Risikomanagement ebenso wichtig wie klassischer Versicherungsschutz. Die
Schifffahrtsbranche steht vor turbulenten Zeiten - nicht nur aufgrund geopolitischer Instabilität,
sondern auch durch traditionelle Kasko- und Maschinenrisiken, bei denen wir weiter steigende
Schadenkosten sehen. Unsere Rolle als Versicherer besteht darin, unsere Kunden sowohl als
Risikoträger als auch als Partner beim Aufbau von Resilienz zu unterstützen. So minimieren wir
Risiken, bevor sie zu einem schadenreichen Ereignis werden", sagt Justus Heinrich, Global Product
Leader Marine Hull bei Allianz Commercial *Weitere Details zur Analyse und den zugrunde
liegenden Bewertungsannahmen finden sich im Bericht.
Pressekontakt: Allianz Suisse Allianz Commercial
Nadine Schumann,
Mediensprecherin
press@allianz.ch, Tel. 058 358 84 14
Andrej
Kornienko, Regional Head of Communications Germany & Switzerland (GER/SUI)
andrej.kornienko@allianz.com, Tel. +49 171 4787 382
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