Die Schweizer Spitäler haben ihre Hausaufgaben gemacht: 95 Prozent sind heute an das
elektronische Patientendossier EPD angeschlossen. Dafür haben sie in den vergangenen Jahren
erhebliche finanzielle, technische und personelle Ressourcen eingesetzt. Die nun
publizierte Kostenstudie des Bundesamts für Gesundheit BAG zeigt jedoch auch: Der Nutzen im
Versorgungsalltag bleibt bisher begrenzt. Nur knapp ein Fünftel der Spitäler nutzt das EPD aktiv.
Gleichzeitig eröffnen und nutzen noch zu wenige Bürgerinnen und Bürger ein EPD. Das
Grundproblem: Während Spitäler zum Anschluss verpflichtet sind, gilt diese Pflicht für ambulante
Leistungserbringer nicht. Dadurch bleiben viele behandlungsrelevante Informationen ausserhalb des
EPD und sein Nutzen im Versorgungsalltag zwangsläufig begrenzt. Eine tief integrierte
Einbindung in die Systeme der Spitäler lohnt sich jedoch nur, wenn relevante und aktuelle
Informationen entlang der gesamten Behandlungskette verfügbar sind. Solange dies nicht der Fall ist
und das EPD auch von Bürgerinnen und Bürgern nur wenig genutzt wird, kann es im
Versorgungsalltag keinen spürbaren Mehrwert entfalten. Hoher Aufwand - jetzt braucht
es Wirkung Die Anbindung an das EPD verursachte gemäss Studie im Median Kosten
von CHF 1'177 pro Bett bei einer Portallösung und von CHF 2'318 pro Bett bei einer
Tiefenintegration. Für ein Zentrumsspital in der Grössenordnung der LUKS-Gruppe mit rund 840
Betten entspricht dies rechnerisch einmaligen Kosten von rund CHF 1,0 Mio. beziehungsweise CHF
1,95 Mio. Für ein Regionalspital mit rund 170 Betten ergeben sich Kosten von rund CHF 0,2 Mio.
beziehungsweise CHF 0,4 Mio. Hinzu kommen bei einer Portallösung jährliche Betriebskosten: Bei
grossen Spitälern liegen diese im Median bei CHF 505 pro Bett; bei 840 Betten entspricht dies rund
CHF 0,42 Mio. pro Jahr, bei 170 Betten rund CHF 86'000. "Die Spitäler haben ihren Teil
geleistet und in die digitale Infrastruktur investiert. Jetzt müssen diese Investitionen auch im
Versorgungsalltag Wirkung entfalten", sagt Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin von H+ Ihre Spitäler.
"Wir brauchen Anwendungen, die rasch und sicher behandlungsrelevante Informationen verfügbar
machen, Doppelspurigkeiten vermeiden und das Personal konkret entlasten." Nationale
Standards und konkrete Anwendungen jetzt vorantreiben Auch das neue elektronische
Gesundheitsdossier allein schafft noch keinen Mehrwert für die Versorgung. Entscheidend ist, dass
jetzt nationale Standards schrittweise und koordiniert entlang der gesamten Versorgungskette
eingeführt werden. Im Zentrum stehen konkrete Anwendungsfälle wie die E-Medikation und das E-
Rezept. Sie müssen direkt in die Systeme der Leistungserbringer integriert sein, den
Informationsaustausch vereinfachen und im Behandlungsalltag funktionieren. Weitere
Investitionen dürfen deshalb nicht einfach in Strukturen fliessen, deren Ablösung bereits absehbar ist.
Die verfügbaren Mittel sind gezielt in interoperable Anwendungen und Standards zu lenken, die
Qualität, Patientensicherheit und Effizienz verbessern. Für den Austausch zwischen
Leistungserbringern braucht es praxistaugliche Lösungen ausserhalb des EPD beziehungsweise E-
GD. Nur wenn solche Anwendungen bereits vor dem Start des E-GD breit und verbindlich
umgesetzt sind, stehen den Bürgerinnen und Bürgern dort auch tatsächlich relevante und aktuelle
Gesundheitsinformationen zur Verfügung. Dafür braucht es nationale Standards, eine klare
Finanzierung sowie die verbindliche Einbindung aller Leistungserbringer. Pressekontakt: Anne-Geneviève Bütikofer,
Direktorin Tel.: 031 335 11 63 E-Mail: medien@hplus.ch
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