Ob im Bereich Food, Chemie oder Pharma: Industrielle Prozesse mit Temperaturen bis zu 200
Grad Celsius verbrauchen in der Schweiz rund 33 Petajoule Wärme pro Jahr. Das sind über 50
Prozent der Wärme, die von der Industrie insgesamt benötigt wird. Eine vielversprechende Option zur
Dekarbonisierung der Energieerzeugung sind Wärmepumpen. Damit diese den hohen Ansprüchen
und den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Unternehmen genügen, brauchen sie flexible
Kältemittel. Ein Team der ETH Zürich und der Ostschweizer Fachhochschule (OST) erforscht dafür
Kältemittelgemische. Seit März 2022 wird das Projekt von SNF und Innosuisse im Rahmen des
gemeinsamen Förderangebots BRIDGE Discovery unterstützt. Es läuft noch bis Ende September
2026. "Durch ihre besonderen thermodynamischen Eigenschaften können
Kältemittelgemische gleichzeitig die Flexibilität, die Effizienz und die maximale Temperatur von
Industriewärmepumpen erhöhen", erklärt Leon Brendel, Teamleiter Wärmepumpen und Kältetechnik
an der OST und Projektleiter des gemeinsam mit der ETH eingereichten Projekts. "Unsere Gemische
wurden anfangs sehr skeptisch begutachtet: Alle hatten Angst, dass sich die Komponenten trennen",
erinnert er sich. Das Projektteam hat im Labor ein Wärmepumpen-Modell aufgebaut, damit dutzende
verschiedene Mischungen getestet - und konnte diese Befürchtungen widerlegen.
Pilotanlage bei Lindt & Sprüngli Von Anfang an setzte das Projekt auf eine
Begleitgruppe aus der Industrie, zusammengesetzt aus 14 Firmen von Grosskonzernen bis zu KMU.
So konnten sie den konkreten Bedarf abklären und die Überlegungen mit der Praxis spiegeln. In
dieser Begleitgruppe war auch die Scheco AG aus Winterthur, welche Wärmepumpen entwickelt und
herstellt. Geschäftsführer Marc Grünig liess sich die Technologie von Leon Brendel und seinem Team
im Detail erläutern und setzt nun auf die neu entwickelten Kältemittelgemische: "Wir freuen uns sehr,
die Forschungsresultate direkt aufzugreifen und in einer neuen Generation von Wärmepumpen
anzuwenden", erklärt er. Ihn überzeuge vor allem, dass damit gleichzeitig die Anschaffungs- und die
Betriebskosten für die Anlagen sinken. "Das ist ein starkes Argument für die Kundschaft unserer
Wärmepumpen", so Marc Grünig. Gedanken über die Dekarbonisierung macht sich
beispielsweise auch die Lindt & Sprüngli AG mit Hauptsitz in Kilchberg am Zürichsee. "Wir möchten
im nächsten Jahr eine Pilotanlage der Scheco AG am Standort Kilchberg aufstellen, um die
Technologie zu demonstrieren und die Erkenntnisse anderen zur Verfügung zu stellen", sagt
Leonhard Wolscht, Verantwortlicher für die Neugestaltung der Wärmeversorgung bei Lindt & Sprüngli.
Mittlerweile ist die Schokoladeherstellerin auch Teil der Begleitgruppe des BRIDGE-Discovery-
Projekts. "Wir haben stark von der Zusammenarbeit mit der ETH und OST profitiert", betont Wolscht.
Erkenntnisse stossen auf grosses Interesse Leon Brendel und die anderen
Forschenden haben die Ergebnisse rund um die Kältemittelgemische laufend publiziert und an
Konferenzen vorgestellt: "Wir stossen damit auf sehr grosses Interesse: Dank der BRIDGE-
Discovery-Förderung waren wir ganz früh mit dabei und konnten gewichtige Publikationen
herausgeben." Ein solches Projekt könne damit auch zum Karriere-Booster werden, da man sich
einen Namen machen und zahlreiche Kontakte knüpfen könne. Er sei deshalb sehr dankbar für die
Förderung: "Wir wollten mit systematischer Forschung in die Tiefe gehen und sie gleichzeitig klar auf
die Anwendung ausrichten, aber noch ohne vorher festgelegten Industriepartner - also genau das,
worauf BRIDGE ausgelegt ist." Dass nun bereits konkrete Anlagen in Planung seien, freut Brendel
besonders. Er fasst zusammen: "Wir konnten signifikante Erkenntnisse gewinnen, die von der
wissenschaftlichen Community und von der Industrie sehr gut aufgenommen wurden. Und das sogar
schneller als erwartet." Die Resultate des Projekts sind also vielfältig: Neue Forschung rund
um Kältemittel, die Entwicklung neuer Wärmepumpen mit konkreten Pilotprojekten sowie bleibende
Kollaborationen zwischen Hochschulen und Industriepartnern. Denn aus dem Projekt sind bereits
Anschlussfragen entstanden, die das Projektteam der ETH und der OST auch in Zukunft gemeinsam
angehen wollen. Von der Forschung zur Innovation Das Förderprogramm
BRIDGE wird vom SNF und von Innosuisse gemeinsam finanziert. Es soll Forschende dabei
unterstützen, ihre Ergebnisse aus der Forschung rasch in Produkte oder Dienstleistungen
umzuwandeln. Der Text dieser Medienmitteilung, ein Downloadbild und weitere Informationen
stehen auf der Webseite des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung. Pressekontakt: BRIDGE Office E-Mail:
office@bridge.ch
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