Schlechte Nachrichten für die Hypothekarnehmenden: Die von über 30
Kreditinstituten öffentlich publizierten Referenzzinsen (sogenannte Richtzinsen) für 10-jährige
Festhypotheken liegen aktuell bei 1,86 Prozent (Stand: 8. Juni) und damit um 0,07 Prozentpunkte
unter dem Stand von Anfang Jahr (1,93 Prozent). Die Refinanzierungskosten der Banken,
sogenannte Swaps, haben sich in dieser Zeit nur wenig verändert. Der CHF-10-Jahres-Zinsswap liegt
mit 0,68 Prozent (Stand: 8. Juni) nahezu auf dem gleichen Stand wie zu Jahresbeginn mit
0,66 Prozent. Die Rendite für 10-jährige Bundesobligationen, der sogenannte SNB-Kassazinssatz, ist
von 0,33 Prozent Anfang des Jahres um 0,15 Prozentpunkte spürbar auf 0,48 Prozent gestiegen. Die
Inflationsrate in der Schweiz ist gestiegen und lag im Mai bei plus 0,6 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat. «Die Schweizer Hypothekarzinsen befinden sich aktuell in einem
Spannungsfeld zwischen einer weiter lockeren Geldpolitik der SNB und steigenden langfristigen
Kapitalmarktzinsen», sagt Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert. «Während die kurzfristigen
Finanzierungskosten aufgrund des moderaten Leitzinsniveaus tief bleiben, verlangen Investorinnen
und Investoren für langfristige Staatsanleihen zunehmend höhere Renditen. Besonders ausgeprägt
zeigt sich diese Entwicklung in den USA, wo die Renditen langlaufender Staatsanleihen auf Niveaus
gestiegen sind, die zuletzt vor der Finanzkrise 2007 beobachtet wurden», so Renkert weiter. Auch in Europa haben die Renditen langfristiger Staatsanleihen in den vergangenen Monaten
zugelegt. Zwar bleibt die Schweiz aufgrund ihrer soliden Staatsfinanzen und ihres Status als sicherer
Hafen eine Ausnahmeerscheinung. Dennoch kann sie sich den Entwicklungen an den internationalen
Kapitalmärkten nicht vollständig entziehen. Schweizer Wirtschaft zeigt sich robuster als
in vielen Nachbarländern Trotz der zahlreichen Unsicherheiten präsentiert sich die
Schweizer Wirtschaft weiter widerstandsfähig. Das Wirtschaftswachstum bleibt zwar
unterdurchschnittlich, eine Rezession zeichnet sich derzeit jedoch nicht ab. Der Arbeitsmarkt zeigt
sich robust, die Arbeitslosigkeit bleibt tief und die Konsumentenstimmung hat sich zuletzt stabilisiert.
Im Vergleich dazu kämpfen zahlreiche europäische Volkswirtschaften weiter mit strukturellen
Problemen. Besonders Deutschland leidet unter einer schwachen Industrieproduktion, einer
zurückhaltenden Konsumnachfrage und den Folgen der wirtschaftlichen Transformation. Die
Wachstumsprognosen wurden in den vergangenen Monaten wiederholt nach unten angepasst. «Die Schweiz gehört derzeit zu den widerstandsfähigsten Volkswirtschaften Europas. Das
Wachstum bleibt zwar bescheiden. Gleichzeitig fehlen aber die typischen Anzeichen einer Rezession.
Mit dem starken Anstieg der Energiepreise und der allgemeinen Teuerung haben sich auch die
Befürchtungen einer Deflation zerschlagen. Deshalb besteht kein unmittelbarer Druck auf die SNB,
die Geldpolitik weiter zu lockern», erklärt Renkert. Inflation in der Schweiz bleibt moderat
Ein zentraler Grund für die vergleichsweise stabile Situation in der Schweiz ist die
kontinuierlich moderate Inflation. Obwohl der Konflikt im Nahen Osten die Energiepreise zeitweise
deutlich steigen liess und neue Unsicherheiten für die globalen Lieferketten geschaffen hat, bewegt
sich die Inflation weiterhin innerhalb des Zielbands der SNB von 0 bis 2 Prozent. Die erhöhte
Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten hat die Nachfrage nach dem Franken steigen
lassen. Der stärkere Franken senkt die Kosten für importierte Güter und wirkt dadurch einem Teil der
globalen Teuerung entgegen. «Der starke Franken wirkt derzeit wie ein zusätzlicher
Inflationsschutz für die Schweiz. Während andere Länder stärker unter steigenden Energie- und
Transportkosten leiden, bleibt der Preisdruck hierzulande vergleichsweise moderat. Aus heutiger
Sicht ist deshalb nicht damit zu rechnen, dass die SNB ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten
grundlegend verändert. Im Basisszenario dürfte der Leitzins bei 0 Prozent verharren. Nur wenn die
Inflation wider Erwarten deutlich anziehen sollte, ist eine Leitzinserhöhung nicht auszuschliessen»,
sagt Renkert. Internationale Anleihemärkte senden Warnsignale Während
sich die Inflationsentwicklung in der Schweiz beruhigt hat, bleiben die langfristigen Zinsen weltweit
unter Aufwärtsdruck. Investorinnen und Investoren beobachten zunehmend kritisch die steigende
Staatsverschuldung vieler Industrieländer. Besonders die USA stehen im Fokus. Die
amerikanische Staatsverschuldung nähert sich der Marke von 40 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig
steigt der Finanzierungsbedarf weiter an. Auch in Europa führen umfangreiche Ausgabenprogramme
zu einer zusätzlichen Belastung der öffentlichen Haushalte. Diese Entwicklung verändert die
Wahrnehmung der Finanzmärkte. Anlegerinnen und Anleger verlangen für langfristige Staatsanleihen
wieder höhere Risikoaufschläge, was die Renditen steigen lässt. «Über viele Jahre konnten
Staaten ihre Schulden praktisch unbegrenzt ausweiten, ohne dass dies grössere Auswirkungen auf
die Finanzierungskosten hatte. Inzwischen beobachten wir eine Trendwende. Die Märkte beginnen
wieder, langfristige Risiken einzupreisen», erklärt Renkert. Nahostkonflikt bleibt
wichtigster Unsicherheitsfaktor Neben der Staatsverschuldung stellt die geopolitische
Lage den grössten Unsicherheitsfaktor für die kommenden Monate dar. Insbesondere die
Spannungen im Nahen Osten werden von den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt. Eine
weitere Eskalation könnte die Energiepreise deutlich erhöhen und neue Belastungen für den
Welthandel verursachen. Besonders kritisch wäre eine längerfristige Beeinträchtigung wichtiger
Transportwege oder eine Verknappung von Öl- und Gaslieferungen. «Der Nahostkonflikt ist
aktuell der wichtigste kurzfristige Risikofaktor für die Kapitalmärkte. Im Basisszenario gehen wir
jedoch davon aus, dass die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft begrenzt bleiben. Sollte sich die
Lage hingegen deutlich verschärfen, könnten die Inflationserwartungen wieder steigen und die
langfristigen Zinsen zusätzlich unter Druck geraten», warnt Renkert. «Festhypotheken
dürften sich seitwärts bewegen oder sogar noch leicht verteuern» Für den Schweizer
Hypothekarmarkt ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite sorgen die moderate
Inflation, die stabile Wirtschaft und die unveränderte Geldpolitik der SNB für Unterstützung. Auf der
anderen Seite verhindern die steigenden Staatsverschuldungen, geopolitischen Risiken und höheren
Renditen an den internationalen Kapitalmärkten einen deutlichen Rückgang der langfristigen
Hypothekarzinsen. «Die Richtzinsen für Festhypotheken dürften deshalb in den kommenden
Monaten auf dem heutigen Niveau verharren oder sogar noch leicht steigen. Ein markanter
Rückgang erscheint dagegen nur wahrscheinlich, wenn sich die Konjunktur unerwartet stark
abschwächen würde und die Weltwirtschaft in eine Rezession geriete. Wer in den nächsten Monaten
eine Hypothek verlängern muss, sollte nicht auf deutlich tiefere Zinsen spekulieren. In der aktuellen
Situation spricht vieles dafür, dass der Aufwärtsdruck bei Festhypotheken in den kommenden
Monaten bestehen bleibt», meint Renkert. Tipps für Hypothekarnehmende
Marktschwäche nutzen: Es lohnt sich, den Hypothekarmarkt zu beobachten und
günstige Zeitpunkte für den Abschluss gezielt zu nutzen. Eine Übersicht über den Markt findet sich im
täglich aktualisierten Zinsüberblick von Comparis. Die angemessene Risikostrategie
wählen: Tiefere Hypothekarzinsen sollten nicht das alleinige Entscheidungskriterium
sein. Wer steigende Zinsen kaum verkraftet, ist mit Festhypotheken besser bedient, während
finanziell flexiblere Kreditnehmende auch Saron-Hypotheken wählen können. Wichtige
Fristen bei der Planung beachten: Bei der Erneuerung einer Festhypothek sollten
Kündigungsfristen von bis zu 6 Monaten beachtet und die Planung frühzeitig gestartet werden. Auch
die Unterlagen sollten rechtzeitig vorbereitet und genügend Vorlaufzeit eingeplant werden.
Tragbarkeit im Alter berücksichtigen: Die Einkommenssituation im Alter ist
entscheidend, da die Tragbarkeit bei tiefem Einkommen sinken kann. Daher sollte frühzeitig geprüft
werden, ob eine Teilamortisation sinnvoll ist. Nicht das erstbeste Angebot akzeptieren:
Der von der Hausbank offerierte Zinssatz ist verhandelbar. Zwischen den Zinsen, die die
Hypothekarinstitute als Richtzinsen veröffentlichen, und den bestverhandelten Zinsen klafft meist eine
grosse Lücke. Methodik Die Angaben zu den Richtzinsen der
Comparis-/HypoPlus-Zinsprognose basieren auf den Richtsätzen von über 30 Kreditinstituten.
Weitere Informationen:
Dirk Renkert
Finanz-Experte
Telefon: 044 360 53
91
E-Mail: media@comparis.ch
comparis.ch/hypoplus
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