Verkehrssicherheitsanalysen stützen sich heute primär auf Unfallzahlen aus der Astra-Datenbank,
die auf Unfallprotokollen der Polizei basiert. Die erfassten Unfälle nehmen - glücklicherweise -
langsam ab, doch die Ursachen verändern sich durch die gesellschaftliche Entwicklung. Dazu kommt,
dass viele Unfälle gar nicht bei der Polizei gemeldet und somit nicht erfasst werden. Dieser
Datenmangel sorgt dafür, dass die Prävention erschwert wird, weil Risikofaktoren und Trends nur
schwer oder zu spät erkannt werden. Das Astra ist sich der Wichtigkeit dieser Datenlücken bewusst
und hat dafür ein Forschungsprojekt gestartet. Eine Arbeitsgemeinschaft aus TCS, ZHAW und
Swisstraffic AG wurden beauftragt, verschiedene Indikatoren zu untersuchen, um die
Verkehrssicherheit zu verbessern. "Mit der Teilnahme an dieser Studie an der Seite anerkannter
Partner wie der ZHAW und Swisstraffic stellt der TCS sein Fachwissen im Bereich der
Verkehrssicherheitsanalyse zur Verfügung und bekräftigt damit sein kontinuierliches Engagement für
eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssicherheit in der Schweiz", betont Christophe Nydegger,
Leiter Verkehrssicherheit. Die Studie hat zunächst untersucht, welche bestehenden
Indikatoren und welche Risikofaktoren im Strassenverkehr Stand jetzt gemessen und erfasst werden.
Im Fokus stehen heute Unfallursachen wie Geschwindigkeit, Alkohol- und Drogeneinfluss sowie das
Tragen beziehungsweise Nicht-Tragen von Helmen und Sicherheitsgurten. Die Studienautoren
empfehlen deshalb als Ergänzung zur heutigen Datenerfassung ein neues System von "Safety
Performance Indicators (SPI)", also messbare Faktoren, die Risiken bereits vor einem Unfall sichtbar
machen. Im Gegensatz zu anderen Ländern werden in der Schweiz zahlreiche Daten zu Unfällen
ohne Polizei-Protokoll nicht systematisch erfasst. Zwar existieren viele relevante Daten bereits, doch
sie sind oft nicht standardisiert und nicht in einem gemeinsamen System abrufbar. Künftig wäre es
deshalb wichtig, dass alle statistischen Daten zu Unfällen erhoben und zusammengeführt werden,
ganz gleich, ob sie von der Polizei oder von Versicherungen stammen. Dadurch entstünde ein
umfassendes und realistisches Bild des Unfallgeschehens. Smartphones,
Langsamverkehr und Rettungsdienste eignen sich als Indikatoren In der Studie wurden
verschiedene neue SPI definiert, mit denen Risiken im Strassenverkehr besser gemessen werden
können. Zu den wichtigsten neuen Indikatoren, die die Studie empfiehlt, gehört die Messung der
Ablenkung durch Smartphones, Infrastruktur für den Fuss- und Veloverkehr, sowie die Erfassung der
Reaktionszeit nach einem Unfall. Ablenkung ist für 18 Prozent aller Unfälle verantwortlich, ein
wesentlicher Teil dürfte auf Smartphone-Nutzung zurückzuführen sein. Wenn nun die Smartphone-
Nutzung im Rahmen von Verkehrsbeobachtungen erfasst wird, könnten die Daten aktiv für
Präventionskampagnen genutzt werden. Messsysteme, die die Smartphone-Nutzung während der
Fahrt erfassen, existieren bereits und könnten mit verhältnismässigem Aufwand eingeführt werden.
Abgetrennte Velowege und Velostreifen verbessern nachweislich die Verkehrssicherheit. Die
Studienautoren empfehlen deshalb einen SPI, der den Anteil der Velowege präzis erfasst. Dadurch
wäre es möglich, Netzlücken zu erkennen und Ausbaumassnahmen voranzutreiben. Neben
den SPI, die sich auf Prävention konzentrieren, nimmt die Studie auch das Rettungswesen unter die
Lupe. Im Fokus steht hierbei die Reaktionszeit - das heisst, wie viel Zeit zwischen Eingang des
Notrufs bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Unfallort verstreicht. Durch diesen SPI können
zwar keine Unfälle vermieden werden, allerdings gibt die Reaktionszeit Aufschluss darüber, wie
effizient die Prozesse sind und wie gut die Abdeckung der Rettungsorganisationen ist. Eine rasch
eingeleitete Behandlung von Unfallverletzungen kann ausserdem den Heilungsprozess
beschleunigen und langfristige Beeinträchtigungen reduzieren. Die Studie macht deutlich,
dass umfassenderes Datenmaterial die Verkehrssicherheit weiter verbessern kann. Ein System, das
auf SPI basiert könnte hierbei Wirkung zeigen. Der TCS will die gewonnen Erkenntnisse deshalb im
Dialog mit Behörden und Partnern nutzen, um Risiken im Strassenverkehr zu erkennen und zu
minimieren. Pressekontakt:
Marco
Wölfli, Mediensprecher TCS
Tel. 058 827 34 03 | marco.woelfli@tcs.ch
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