Violetta Dyka ist Leiterin des Projekts «Design for Dignity» und studierte an der HKB im Master
Design (Vertiefung: Entrepreneurship). Vor Kriegsausbruch entwickelte sie in der Ukraine
Gestaltungskonzepte für Wohnungen und Cafés und verstand Design vor allem als ästhetisches
Handwerk. Durch ihre eigenen Fluchterfahrungen veränderte sich ihre Perspektive grundlegend: Sie
wollte etwas für Menschen auf der Flucht tun, die plötzlich gezwungen sind, an Orten zu leben, an
denen ihnen das Recht auf Individualität weitgehend genommen wird. In zahlreichen
Interviews ermittelte Violetta Dyka die Bedürfnisse der Menschen mit Fluchterfahrung. «Meine Idee
basiert auf Fakten und Erfahrungen», so die Innenarchitektin. Im Rahmen ihrer Masterarbeit
entwickelte sie das Projekt «Design for Dignity» und wurde dafür 2025 von der Berner Design
Stiftung mit dem Newcomer-Preis ausgezeichnet. Seit Juli 2025 wird das Projekt von der Gebert Rüf
Stiftung unterstützt, die Innovationen zum Nutzen der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft fördert
und damit Wissenschaft wirksam macht. Das Projekt ist am Institute for Design Research der HKB
angesiedelt, einem Departement der Berner Fachhochschule; Praxispartnerin ist das SCDH. Ziel von «Design for Dignity» ist es, sowohl die Privatsphäre und das Wohlbefinden der
Geflüchteten als auch die Arbeitsbedingungen des Personals in Kollektivunterkünften zu verbessern.
Inspiriert davon, wie Geflüchtete Textilien nutzen, um provisorische Abtrennungen zu schaffen,
wurden in enger Zusammenarbeit mit den Werkstätten und der Materialkollektion des SCDH
umfangreiche Design- und Materialstudien durchgeführt. Daraus entstanden fünf Prototypen, die sich
in Materialität und Funktionalität unterscheiden aber alle sowohl visuellen als auch akustischen
Schutz bieten. Im Rahmen eines Co-Design-Workshops mit Vertreter*innen aus den Bereichen
Migration, Integration und Service Design wurden die Prototypen im Massstab 1:1 getestet und
evaluiert. Zu den Beurteilungskriterien gehörten unter anderem die nachhaltige und lokale
Produktion, die Funktionalität und Modularität, die Sicherheit, die Herstellungskosten sowie die
Umsetzbarkeit in den Gemeinschaftsunterkünften. Der von den Testpersonen bevorzugte
Prototyp aus PET-Filzplatten mit Klettverschlüssen wurde anschliessend weiterentwickelt, als
Pilotserie produziert und im März bis April 2026 von Bewohner*innen eines Asylzentrums erprobt.
Das Feedback während und unmittelbar nach der Installation fiel durchwegs positiv aus: Besonders
geschätzt wurden der Schutz, die Modularität sowie die Möglichkeit, die einzelnen Elemente
individuell zu öffnen. Sofort wurde sichtbar, dass die Privatsphäre deutlich verbessert wird und die
Räume heller und strukturierter erscheinen. Die systematische Auswertung des Feedbacks ist im
Sommer 2026 vorgesehen – nach Abschluss der zweimonatigen Testphase. Parallel dazu wurden ein
skalierbares Geschäftsmodell sowie eine Produktionsstrategie entwickelt. Über den
humanitären Kontext hinaus eröffnet das System Potenzial für weitere Einsatzbereiche – etwa in
gemeinsam genutzten Räumen wie Gesundheitsinstitutionen oder Jugendherbergen. Für die weitere
Evaluation, die iterative Weiterentwicklung der Prototypen sowie das Roll-out, den Markteintritt und
die Skalierung hat die Gebert Rüf Stiftung im April 2026 weitere Fördermittel gesprochen. Im
Rahmen der Veranstaltung « Forschen an Kunsthochschulen» am 15. Juni im Kornhausforum Bern
wird das Projekt von Violetta Dyka gezeigt. Projekt «Design for Dignity» Entwicklung und Implementierung eines modularen Sicht- und Geräuschschutzsystems für
Gruppenunterkünfte. Projektleitung Berner Fachhochschule, Hochschule der
Künste, Institute for Design Research Catalina Jossen Cardozo, Violetta Dyka, Andrii Taran,
Tamara Tremonte www.hkb-idr.ch Projektseite:
https://www.hkb.bfh.ch/de/forschung/forschungsprojekte/2025-901-025-389/ Material- und
Designforschung, Prototypenentwicklung und Pilotproduktion Swiss Center for Design
and Health Minou Afzali, Manuel Balzarek, Rahel Inauen, Jérôme Rütsche
www.scdh.ch Finanzierung Berner Design Stiftung
www.bernerdesignstiftung.ch Gebert Rüf Stiftung, Förderphasen PROOF, VALIDATE und
EXECUTE des First Ventures-Programms www.grstiftung.ch Reale
Testumgebung im Asylzentrum Kanton Bern PET-Filzmaterial Impact Acoustic www.impactacoustic.com Berner Fachhochschule | Hochschule
der Künste Bern HKB
Christian Pauli, Leiter Kommunikation
Fellerstrasse 11, 3027
Bern
+41 31 848 38 28
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