Die Einschätzung der Autorinnen und Autoren des Berichts fällt deutlich aus. Die
Schweiz wird als bevorzugter Standort der internationalen Tabakindustrie beschrieben und belegt
zudem den vorletzten Platz im weltweiten Ranking zur Einflussnahme der Tabakindustrie auf die
öffentliche Gesundheitspolitik. Trotz einzelner jüngerer Gesetzesanpassungen kommen die
Autorinnen und Autoren zum Schluss, dass die Schweiz weiterhin Gesetze mit "erheblichen
Schlupflöchern" und Ausnahmen verabschiedet, die direkt den Herstellern von Tabak- und
Nikotinprodukten zugutekommn. Die drei bestplatzierten Länder im Ranking sind Irland, das
Vereinigte Königreich und die Niederlande. Nur Bosnien und Herzegowina liegt hinter der Schweiz.
Für AT Schweiz bestätigt dieses Resultat eine besorgniserregende Situation: Während viele
europäische Länder ihre gesundheitspolitischen Massnahmen stärken, häufen sich in der Schweiz
die regulatorischen Verzögerungen und Ausnahmeregelungen zugunsten der Tabak- und
Nikotinindustrie. Hohe Preise bleiben die wirksamste Massnahme Der
europäische Bericht erinnert mit Nachdruck daran, dass höhere Steuern und höhere Tabakpreise die
wirksamste Massnahme zur Senkung des Konsums darstellen - insbesondere bei Jugendlichen. Die Länder mit den grössten Fortschritten im Ranking gehören auch zu jenen, die die
Tabakpreise stark erhöht haben. Belgien beispielsweise erhöhte den Preis einer Packung Marlboro
zwischen 2020 und 2024 von rund 6,80 Euro auf 11,50 Euro. Auch die Niederlande gehören zu den
Ländern, die ihre Steuer- und Preispolitik für Tabakprodukte in den letzten Jahren am stärksten
verschärft haben. Im Gegensatz dazu hat die Schweiz die Besteuerung von Zigaretten seit
2013 nicht mehr erhöht. Während viele Länder Tabaksteuererhöhungen aktiv als zentrales Instrument
der öffentlichen Gesundheit einsetzen, bleibt die Schweiz weitgehend auf inaktiv und folgt nicht dem
Tempo der fortschrittlichen Länder in der Tabakprävention. Tabakprodukte zum Erhitzen:
ein grosser Rückstand der Schweiz Der Bericht kritisiert zudem den Rückstand der
Schweiz bei Tabakprodukten zum Erhitzen, die im öffentlichen Raum stark sichtbar sind. Die
Autorinnen und Autoren erinnern daran, dass die WHO diese Produkte als Tabakprodukte betrachtet,
die wie herkömmliche Zigaretten reguliert werden sollten - insbesondere hinsichtlich Werbung,
Besteuerung, Gesundheitswarnungen und Schutz vor Passivrauchen. Eine
Werbegesetzgebung voller Schlupflöcher Der Bericht kritisiert das Fehlen eines
umfassenden Werbeverbots für Tabak- und Nikotinprodukte. Während mehrere europäische Länder
Plakatwerbung, Werbung am Verkaufsort oder sichtbare Produktpräsentationen in Geschäften
verboten haben, ermöglicht die Schweizer Gesetzgebung weiterhin gross angelegte
Werbekampagnen - insbesondere für Tabakprodukte zum Erhitzen und Nikotinprodukte. Der
Bericht erwähnt ausdrücklich grosse Werbeplakate auf Privatgrundstücken, etwa in Einkaufszentren
oder Tiefgaragen, und bezeichnet diese Situation als "massives Schlupfloch" der Schweizer
Gesetzgebung. Im Gegensatz dazu zeigen mehrere europäische Länder, dass eine
langjährige kohärente Politik konkrete Resultate erzielt. Irland, das europaweit den ersten Platz
belegt, kombiniert hohe Tabakpreise, strenge Werbeverbote und eine konsequente Regulierung
neuer Nikotinprodukte. Die Niederlande haben dank einer Mehrjahresstrategie mit Preiserhöhungen,
verschärfter Werbebeschränkungen und einer Reduktion der Verkaufsstellen, grosse Fortschritte
erzielt. Belgien ist ebenfalls in die Spitzengruppe aufgestiegen, nachdem die Preise deutlich erhöht
und die Einschränkungen bei Werbung und Sichtbarkeit von Tabakprodukten verschärft wurden. Eine Warnung, die die Schweiz nicht länger ignorieren kann Für AT Schweiz
stellt dieses Ranking ein deutliches politisches Warnsignal dar. Eine glaubwürdige Gesundheitspolitik
erfordert nun entschlossene Massnahmen: ein umfassendes Werbeverbot, eine strikte Regulierung
neuer Nikotinprodukte, eine deutliche Erhöhung der Tabakpreise, einen massiven Ausbau der
Prävention sowie die sofortige Ratifikation des WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des
Tabakgebrauchs. Referenz des Berichts: Joossens L., Abbink H., Roman E. The
Tobacco Control Scale 2025 in Europe. Smoke Free Partnership, Brüssel, 2026.
Download des Berichts: Der Bericht wird auf der offiziellen Website der Tobacco Control
Scale verfügbar sein: http://www.tobaccocontrolscale.org Medienkontakt (Interviews und weitere Informationen):
Arbeitsgemeinschaft
Tabakprävention Schweiz (AT Schweiz)
Wolfgang Kweitel
Tel. +41 31 599 10
20
wolfgang.kweitel@at-schweiz.ch
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