Der internationale ME/CFS
Awareness Day am 12. Mai möchte auf die Situation der Betroffenen aufmerksam machen. Denn die
ist vielfach desaströs: Ein Grossteil der Erkrankten verfügt über keine klar anerkannte Diagnose. Das
erschwert die sozialversicherungsrechtliche Anerkennung ihrer Einschränkungen erheblich – mit der
Folge, dass viele trotz massiver Beeinträchtigung keinen Zugang zu IV-Leistungen erhalten. Viele von
ihnen haben auch keine klare Orientierung, wo Unterstützung zu finden wäre. Dr. Cornelia
Rüegger, Sozialwissenschaftlerin an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, kennt die Situation
aus eigenem Erleben, und zwar aus beiden Perspektiven. Als Wissenschaftlerin hatte sie sich seit
jeher auf die soziale Dimension von Krankheit und Gesundheit spezialisiert. Und seit einer Covid-
Erkrankung im Jahr 2022 erlebt sie als Betroffene hautnah, wie mangelhaft es um die Versorgung
und Begleitung von Menschen bestellt ist, die an ME/CFS erkranken. ME/CFS ist schwer
zu greifen Einer der Gründe: fehlendes Wissen um die Krankheit bei den
gesundheitsbezogenen Berufsgruppen: «Es ist nicht selbstverständlich, dass jede Hausärztin, jeder
Hausarzt Bescheid weiss, dass Sozialarbeitende, die in diesen Kontexten tätig sind, Bescheid
wissen, dass Psychologinnen und Psychologen Bescheid wissen», formuliert es Cornelia Rüegger.
Schon die Definition der Krankheit fällt schwer: Sie zeigt sich in den unterschiedlichsten
Erscheinungsformen. Eine Gemeinsamkeit haben sie allerdings, weiss Cornelia Rüegger:
Belastungsintoleranz. «Wenn man über die individuell minimalen körperlichen, kognitiven,
emotionalen oder sozialen Grenzen geht, kommt es zu Verschlechterungen. Bei manchen
Betroffenen ist schon das Aufstehen zu viel, bei anderen eine längere Sitzung, ein langer Text oder
ein belastendes Telefongespräch»». Die Folge: «Viele verlieren ihre Arbeit, können ihre Rolle in der
Familie oder im Verein nicht mehr wahrnehmen, verlieren Freunde. Partnerschaften gehen
auseinander, Menschen haben materielle Probleme und fühlen sich sozial isoliert.» Eine
Erkrankung mit gravierenden sozialen Folgeproblemen Genau hier liegt ein Faktor, der
bei Long Covid und ME/CFS bisher kaum im Fokus steht: die soziale Dimension. Auf gesellschaftlich-
struktureller Ebene zeigt sich die soziale Dimension unter anderem in der bislang unzureichenden
Anerkennung der Erkrankung sowie in strukturellen Hürden im Zugang zu Unterstützungssystemen –
mit weitreichenden materiellen und existenziellen Folgen für die Betroffenen. Auf der konkreten
Einzelfallebene bringt sie daneben noch massive Einschränkungen und Desintegrationsprozesse mit
sich. All das sorgt dafür, dass sich die ursprüngliche Problematik vervielfacht, führt Cornelia
Rüegger aus: «Die soziale Dimension wirkt als sozialer Stressor auf Körper und Psyche zurück und
kann darüber die Krankheitsdynamik verstärken.» Wenn dieser Zusammenhang zwischen der
körperlichen und der sozialen Dimension der Erkrankung besser verstanden wird, könnte man die
sozialen Folgeprobleme besser in den Blick nehmen. «Würde man sie professionell mitbearbeiten,
könnte man die Menschen zwar nicht heilen, aber ihre Lebensqualität deutlich verbessern – und das
ist unglaublich wertvoll.» Weiterbildung als Schlüssel für Lebensqualität An
dieser Stelle könnte die Soziale Arbeit von entscheidender Bedeutung sein, schätzt Cornelia Rüegger
die Situation ein. Ihrer Ansicht nach sollte für Fachpersonen aus diesem Berufsfeld eine
Weiterbildung zum Thema selbstverständlich sein – «und zwar keine, in der es um abstrakte
Qualitätsfragen geht, sondern um sehr konkrete professionelle Orientierung: ‘Was hilft, und wie kann
ich als Fachperson hilfreich begleiten?‘ In ihrer Rolle als Wissenschaftlerin hat Cornelia
Rüegger deshalb verschiedene Weiterbildungsangebote für Fachpersonen der Sozialen Arbeit
aufgesetzt. So vermittelt eine vierteilige Basisweiterbildung zu Long Covid und ME/CFS ein
interdisziplinäres Verständnis der Erkrankung und gibt praxisnahe Orientierung, um Kinder,
Jugendliche und Erwachsene psychosozial gut zu beraten und zu begleiten. Daneben startet im
Herbst ein neues Online-Format, bei dem Fachleute aus den unterschiedlichsten Disziplinen aktuelle
Entwicklungen vorstellen und im Publikumsgespräch diskutiert. Den Auftakt macht Dr. Katrin Bopp
vom Universitätsspital Basel: Sie gibt am 26. November 2026 Einblick in ihr multimodales
Behandlungskonzept und ihre klinischen Erfahrungen. Ergänzend entstehen derzeit auch
Angebote zur Unterstützung von Angehörigen erkrankter Menschen – eine Versorgung, die in den
vergangenen Jahren zunehmend nachgefragt wurde, insbesondere von Eltern betroffener Kinder und
Jugendlicher. Sie haben besonders schwer an der Last der Krankheit zu tragen, hat Cornelia
Rüegger beobachtet: «Es ist das eine, als Erwachsene betroffen zu sein. Aber Kinder und
Jugendliche – die am Ausgangspunkt ihres Lebens stehen! – liegen jetzt zu Hause, in dunklen
Zimmern, abgeschnitten von Freunden, von Bildung. Das ist schrecklich.» Kontakt:
Weitere Informationen auf www.fhnw.ch Die Hochschule für
Soziale Arbeit FHNW Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW mit Standorten in Muttenz
und Olten ist lokal und regional verankert, international vernetzt und in ihren Leistungen in Aus- und
Weiterbildung, Forschung und Dienstleistung breit anerkannt. In ihrem Forschungs- und
Entwicklungsschwerpunkt «Soziale Innovation» analysiert, initiiert und begleitet sie
Innovationsprozesse in Kooperation und im Austausch mit der Praxis. Sie fördert damit die
Professionalisierung der Sozialen Arbeit und trägt massgeblich zum Verständnis und zur innovativen
Bearbeitung sozialer Probleme und gesellschaftlicher Herausforderungen bei. Weitere
Informationen auf www.fhnw.ch/hsa Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Hochschule für Soziale
Arbeit
Annette Christine Hoch
Marketing & Kommunikation
Von Roll-Strasse 10
4600
Olten
T +41 62 957 24 97
annette.hoch@fhnw.ch
www.fhnw.ch/sozialearbeit
Dominik
Lehmann
Leiter Kommunikation FHNW
Bahnhofstrasse 6
5210 Windisch
T +41 56
202 77 28
dominik.lehmann@fhnw.ch
www.fhnw.ch
www.kmu-press.ch ist ein Angebot von www.help.ch. Nutzen Sie KMU-Press.ch, die spezialisierte Plattform für Pressemitteilungen von Schweizer KMU.
Als Betreiber von KMU-Press.ch steht HELP.ch für hohe Reichweite, professionelle Veröffentlichung und maximale Sichtbarkeit Ihrer Unternehmensnews.
Mit einer Vielzahl an Ressourcen und Lösungen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Schweizer KMU zugeschnitten sind, bietet HELP.ch eine leistungsstarke Plattform für Unternehmenskommunikation und Online-Sichtbarkeit.