16 Jahre nach der Deepwater-Horizon-Katastrophe am 20. April 2010 treiben die USA die
Förderung fossiler Energien im Golf von Mexiko erneut voran – mit potenziell gravierenden Folgen für
die Meeresfauna wie den stark bedrohten Rice-Brydewal. Gleichzeitig keimt in Kolumbien
zarte Hoffnung: Am 28. und 29. April kommen in Santa Marta Vertreterinnen und Vertreter aus rund
80 Staaten zusammen, um im Rahmen einer „Koalition der Willigen“ konkrete Schritte für den
Ausstieg aus fossilen Energien voranzubringen. Doch während die Konferenz einen
Wendepunkt markieren könnte, besteht in Klimahotspots wie dem Mittelmeer bereits heute konkreter
Handlungsbedarf. Das Treffen in Santa Marta steht für einen neuen Ansatz in der
internationalen Klimapolitik: Statt neuer Verhandlungen liegt der Fokus auf der Umsetzung
bestehender Verpflichtungen. Dahinter steht die wachsende Erkenntnis, dass es nicht an politischen
Vereinbarungen mangelt, sondern an deren konsequenter Umsetzung. Aus Sicht von
OceanCare macht dieser Moment auch eines deutlich: Klimaschutz und Meeresschutz sind
untrennbar – und beide erfordern jetzt die konsequente Umsetzung eines Ausstiegs aus fossilen
Energien. Warum die Ozeane unter Druck stehen Offshore-Aktivitäten im
Zusammenhang mit fossilen Energien treiben sowohl den Klimawandel als auch direkte Schäden an
Meeresökosystemen voran. Gleichzeitig sind sie eine wesentliche Quelle von Unterwasserlärm. Bei seismischen Untersuchungen zur Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen werden
Dutzende Schallkanonen gleichzeitig eingesetzt – sie erzeugen den am lautesten vom Menschen
verursachten Lärm im Ozean. Die Schallimpulse erreichen bis zu 260 Dezibel und werden über
Wochen oder Monate hinweg alle zehn bis 15 Sekunden Richtung Meeresboden durch die gesamte
Wassersäule abgegeben. Für Wale und Delfine, die auf Schall für Kommunikation,
Orientierung und Nahrungssuche angewiesen sind, hat dies gravierende Folgen:
Verhaltensstörungen, Vertreibung aus Lebensräumen und langfristigen Stress. Dem
Mittelmeer läuft die Zeit davon Für OceanCare zeigt sich die Dringlichkeit besonders im
Mittelmeer – einer Region, die sich schneller erwärmt als viele andere Meeresgebiete weltweit. Trotzdem werden die Suche nach Öl- und Gasvorkommen und deren Förderung in Teilen der
Region weiterhin vorangetrieben – teilweise sogar in oder nahe Meeresschutzgebieten. Das erhöht
den Druck auf ohnehin gefährdete Arten wie Wale und Delfine zusätzlich. Besonders impulsiver
Unterwasserlärm wirkt sich dabei nicht nur auf Meeressäuger aus, sondern auf nahezu alle
Meereslebewesen, einschließlich Fische und wirbellose Tiere. Einige Länder zeigen jedoch,
dass ein anderer Weg möglich ist: Portugal, Frankreich und Spanien haben neue Genehmigungen für
Öl- und Gasexploration in ihren Gewässern vollständig oder teilweise gestoppt. Sie beweisen damit,
dass regionales Handeln möglich und wirksam ist. OceanCare fordert daher: Nicolas Entrup, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, fordert daher: „Die Ozeane zahlen den Preis für unsere anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energien – durch
Klimaveränderungen, Unterwasserlärm und das Risiko verheerender Ölunfälle. Wir wissen längst,
was zu tun ist. Es fehlt nicht an Wissen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern am
politischen Willen. Die Konferenz in Santa Marta muss den nötigen Impuls geben, um den Ausstieg
aus fossilen Energien voranzutreiben, die Energiewende zu beschleunigen und den Schutz der
Meere endlich zur Priorität zu machen. Von fossiler Förderung bis zur Plastikverschmutzung:
Menschliche Aktivitäten bringen marine Ökosysteme an ihre Grenzen. Wer die Ozeane schützen will,
muss diese Ursachen endlich an der Wurzel angehen – statt nur ihre Folgen zu verwalten.“
Carlos Bravo Villa, Ocean Policy Specialist bei OceanCare, kommentiert: „Seit
Jahrzehnten ist klar, dass wir aus fossilen Energien aussteigen müssen – und dennoch wird weiter
nach neuen Vorkommen gesucht. Dieser Widerspruch ist nicht länger haltbar. Wir können nicht
vorgeben, die Ozeane zu schützen, während wir gleichzeitig im Meeresboden nach Öl und Gas
suchen. Was es jetzt braucht, sind konkrete Schritte: keine neue Offshore-Suche nach Öl-
und Gasvorkommen, ein klarer Zeitplan für den Ausstieg aus bestehender Förderung und starke
regionale Umsetzungspläne. Gerade das Mittelmeer kann nicht auf globalen Konsens warten. In
einer der sich am schnellsten erwärmenden Meeresregionen der Welt setzen seismische
Untersuchungen und fossile Aktivitäten Wale und andere Meereslebewesen bereits massiv unter
Druck – selbst in Schutzgebieten. Die Konferenz in Santa Marta könnte ein wichtiges
globales Signal senden: doch bereits jetzt müssen wir auf regionaler Ebene handeln.“
Pressekontakt Anton Mattmüller, Pressesprecher OceanCare OceanCare
Gerbestrasse 6
CH-8820 Wädenswil
www.oceancare.org
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