Das Fehlen einer Lademöglichkeit zuhause gilt als eines der grössten Hindernisse für den Kauf
eines Elektroautos. Doch wie gross sind die Nachteile wirklich, wenn man keine eigene Wallbox hat?
Der TCS hat die Probe aufs Exempel gemacht und getestet, wie man Alltag, Ferien und Arbeit mit
einem E-Auto bestreitet, wenn man nur öffentliche Ladestationen nutzt. Für diesen Test war
ein TCS-Experte fünf Monate mit einem Mittelklasse-SUV mit Elektroantrieb unterwegs. Dabei
erfasste er jeden Ladevorgang und zeichnete Dauer, Kosten, geladene Energie und Kilometer
zwischen den Ladungen auf. Während den fünf Monaten legte der TCS-Experte 15'567 Kilometer in
der Schweiz, in Italien und Frankreich zurück. Dafür waren 102 Ladevorgänge nötig. Der Grossteil
entfiel auf 82 Gleichstromladungen (DC), der Rest auf Wechselstromladungen (AC). Insgesamt
betrug die Gesamtladezeit knapp 135 Stunden. Abgerechnet wurde über die TCS eCharge App. Kosten unter der Lupe Ein wichtiges Element des Tests waren die Kosten, die
das Laden ohne eigene Wallbox verursacht. Die durchschnittlichen Kosten pro kWh betrugen 74
Rappen. Gemäss der eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom betragen die
durchschnittlichen Stromkosten zuhause 29 Rappen pro kWh. Für den Kosten-Vergleich mit einem
Verbrenner ist es sinnvoll, Kosten pro 100 Kilometer zu vergleichen. Das E-Auto, das nur öffentlich
und ohne Abo-Modell aufgeladen wird, kostet hierbei 15.80 Franken pro 100 Kilometer (80 Prozent
DC-Ladungen). Bei mehrheitlich privater Ladung sind es 7.91 Franken. Die Durchschnittskosten bei
einem Verbrenner (Benzin 95) belaufen sich auf 10.32 Franken pro 100 Kilometer (siehe Tabelle
unten). Die Energiekosten eines E-Autos sind also höher als die eines Verbrenners, wenn nur
öffentlich geladen werden kann. In der Praxis laden die meisten E-Autofahrer nur selten und nur auf
längeren Reisen unterwegs. Gleich wie Fahrer eines Verbrenners nur selten an Autobahnraststätten
tanken, wo die Preise höher sind. Der Test hat nun gezeigt, dass wirtschaftliche Einsparungen nur
durch das Aufladen zu Hause oder am Arbeitsplatz möglich sind. Der TCS setzt sich deshalb dafür
ein, dass die Installation von Ladestationen in Mehrfamilienhäusern und bei Unternehmen erleichtert
wird. Aktive Planung ist unumgänglich Naturgemäss erfordert der Alltag mit
einem E-Auto ohne eigene Wallbox mehr Planung, wobei nicht die Verfügbarkeit der Ladestationen,
sondern der Zeitbedarf herausfordernd ist. Laden mit Gleichstrom dauert durchschnittlich 33 Minuten
und erfordert eine aktive Planung. Dieser Zeitaufwand ist erheblich und lässt sich nicht immer in
natürliche Pausen integrieren, was die Flexibilität der Nutzer einschränkt, und eine Änderung der
Gewohnheiten erfordert. Genügend grosse Reichweite ist Pflicht Das
Testfahrzeug wird rund alle 200 Kilometer geladen bei einer Batterienutzung von 60 Prozent
(Ladestand zwischen 80 und 20 Prozent), wie es der Hersteller empfiehlt. Bei kleineren Reichweiten
ist häufigeres Aufladen nötig, was den Planungs- und Zeitaufwand noch einmal erschwert. Der TCS
empfiehlt eine Reichweite, die eine typische Nutzung von zwei bis drei Tagen abdeckt. Der
fünfmonatige Test zwischen März und August 2025 hat gezeigt, dass die Nutzung eines E-Autos ohne
private Wallbox technisch möglich ist, jedoch eine aufwendige Planung erfordert und mit hohen
Kosten verbunden sein kann. Eine genügend grosse Reichweite ist ebenso empfehlenswert wie eine
800-V-Architektur des E-Autos, um schnelle Ladeleistungen zu ermöglichen. Zu berücksichtigen ist,
dass die Ergebnisse nicht repräsentativ für alle Fahrzeuge sind. Generell fordert der TCS, dass sich
die Preistransparenz an den Ladestationen verbessert. Wie viel eine kWh kostet, sollte bekannt sein,
bevor man an die Ladestation fährt. Pressekontakt: Marco Wölfli, Mediensprecher TCS Tel. 058 827 34 03 |
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