Gemäss den vorliegenden Analysen setzt die AP30+ stark auf Effizienzsteigerung, administrative
Entlastung und produktionsorientierte Kennzahlen. Dies geschieht auf Kosten des Tierwohls:
Effizienzsteigerung führt in der Praxis oft zu höherem Leistungsdruck, intensiverer Fütterung und
kürzeren Produktionszyklen. Vereinfachungen von Tierwohlprogrammen bedeuten qualitative
Einbussen beim Tierwohl. Beides Entwicklungen, die direkt die Belastung für die Tiere erhöhen. Der
STS stellt fest, dass der ohnehin hohe Druck im Agrarsystem so direkt auf die schwächsten im
System abgewälzt wird: die Tiere. Zudem birgt die geplante stärkere Ergebnisorientierung
erhebliche Risiken: Tierwohl kann weder mit Tiergesundheit noch mit Produktivität gleichgesetzt
werden. Es kann auch nicht über wenige Kennzahlen abgebildet werden. Ohne effiziente und
effektive Kontrollen droht das System an Glaubwürdigkeit und Transparenz zu verlieren.
Bundesrat verpasst Chance für eine nachhaltige und tierfreundliche Agrarpolitik In
dem vom Bundesrat formulierten Rahmen für die AP30+ fehlen zentrale Elemente, die das Tierwohl
stärken würden. Selbst Lenkungsabgaben auf Kraftfutter und Pestizide – ein wichtiges Instrument zur
Reduktion intensiver, importabhängiger Produktionssysteme – wurden gestrichen. Die ursprünglich
angekündigte Integration von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen ist kaum mehr
auffindbar. Umwelt- und Tierschutzorganisationen beurteilen die bisherigen Vorschläge als
«unzureichend», um die Herausforderungen im Bereich Umwelt- und Tierschutz zu meistern. Auch
aus Sicht des STS widerspricht die AP30+ dem Zielbild 2050, das der Bundesrat selbst formuliert hat
und das eine nachhaltige Transformation des Ernährungssystems vorsieht. Statt systemisch zu
denken, werden strukturelle Probleme konserviert und Massnahmen, insbesondere im Bereich
Tierwohl und Tierschutz, unter dem Deckmantel der administrativen Vereinfachung verwässert. STS-Forderungen an die zukünftige Agrarpolitik Der Schweizer Tierschutz STS
fordert den Bundesrat auf, die AP30+ dringend nachzubessern – insbesondere in folgenden
Bereichen: 1. Förderung tierfreundlicher Haltungs- und Fütterungssysteme: 2. Kooperativ organisiertes und risikobasiertes Kontrollsystem
stärken statt blossem Abbau des administrativen Aufwands: 3. Reduktionintensiver, importabhängiger Produktionssysteme: Schlussfolgerungen Die Agrarpolitik 2030+ ist in
ihrer jetzigen Form kein Schritt nach vorne, sondern eine gefährliche Schieflage. Der STS fordert,
dass Tierwohl als gleichrangiges Ziel verankert, bestehende Programme ausgebaut und neue
Impulse gesetzt werden. Nur so kann die Agrarpolitik den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht
werden und eine nachhaltige, tierfreundliche Landwirtschaft fördern. Der STS wird sich weiterhin aktiv
in den politischen Prozess einbringen und fordert den Bundesrat auf, das Tierwohl als zentralen
Pfeiler der Agrarpolitik zu verankern und zu verbessern. Für Rückfragen Simon Hubacher Schweizer Tierschutz STS Leiter Medienstelle Mobile
+41 58 510 64 90 media@tierschutz.com
Weidehaltung, robustere Rassen und eine längere Nutzungsdauer müssen konsequent gefördert
werden. Indikatoren, die Hochleistungszucht oder intensive Haltung begünstigen, sind klar
abzulehnen. Die heutigen Tierwohlprogramme geniessen hohe Akzeptanz. Sie dürfen nicht
geschwächt und zurückgefahren werden. Sie müssen im Gegenteil ausgebaut und weiterentwickelt
werden. Der gesamte Lebenszyklus der Nutztiere – inklusive Transport und Schlachtung – muss
abgebildet werden.
Tierwohl braucht klare,
überprüfbare
Anforderungen sowie unabhängige, regelmässige und unangemeldete Kontrollen. Dass
Landwirtschaftsbetriebe weniger administrativen Aufwand fordern, ist verständlich – doch liesse sich
dieser am besten reduzieren, indem die Koordination zwischen den einzelnen Kontroll-Organen
gestärkt und die Digitalisierung gemeinsam vorangetrieben würde. Das Tierschutzgesetz ist zudem
ein zwar nicht hinreichender, aber notwendiger Bestandteil der Direktzahlungsverordnung. Nur so
kann ein koordinierter und funktionierender Vollzug im Nutztierbereich auch weiterhin gewährleistet
werden.
Eine
standortgerechte, kreislauforientierte Landwirtschaft muss Vorrang haben – weg von intensiven
Systemen, die Tierwohl und Umwelt belasten und die inländische Produktion schwächen. Der
ursprünglich angekündigte Ernährungssystemansatz sollte die gesamte Wertschöpfungskette mit
einbeziehen: Produktion, Konsum und Handel. Statt einer zukunftsorientierten Gesamtstrategie
erleben wir eine Rückkehr zur Produktionslogik – mit allen bekannten Zielkonflikten zwischen Klima,
Biodiversität und Tierwohl.
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