Die Wohnungsnot in der Schweiz bleibt ein dominantes Alltagsthema. 59 Prozent der
erwachsenen Bevölkerung nehmen in ihrer Region einen Mangel an verfügbarem Wohnraum wahr –
in den Städten sind es sogar 66 Prozent. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von comparis.ch mit
dem grössten Immobilienportal der Schweiz. Klare Ablehnung von Verdichtung Obwohl eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung unter Wohnungsmangel leidet, sind bauliche
Massnahmen zur Lösung des Problems unbeliebt: 50 Prozent der Umfrageteilnehmenden lehnen den
Bau von höheren Gebäuden in ihrer Gemeinde (mehr als 6 Stockwerke) ab. Nur 45 Prozent sind
dafür, dass so mehr Wohnraum geschaffen wird. 68 Prozent der Befragten sind gegen eine
dichtere Bebauung mit weniger Grünflächen und kleineren Abständen. Neue Bauzonen auf Kosten
von Landwirtschafts- oder Grünflächen werden von 66 Prozent abgelehnt. Lediglich die
Einschränkung von Einsprachen findet eine relative Mehrheit: 47 Prozent sind dafür, 43 Prozent
dagegen. «Die Umfrage zeigt, dass die Schweiz zwar mehr Wohnraum braucht, aber nicht
weiss, woher dieser kommen soll. Wir wollen mehr Wohnhäuser – aber weder höher noch dichter
bauen, weder Grünflächen antasten noch Einsprachen reduzieren», erklärt Immobilienexperte Harry
Büsser vom Vergleichsportal Comparis, das den grössten Immobilienmarktplatz der Schweiz betreibt.
Das sei ein Widerspruch: «Wir können nicht mehr Wohnraum fordern und gleichzeitig jede bauliche
Veränderung verhindern. Das ist, als wollte man in einem Hochhaus bequem nach oben kommen,
aber weigert sich, einen Lift zu bauen», ergänzt Büsser. Städter und Junge sind bereit
für höhere Häuser Am stärksten spüren den Wohnungsmangel die jungen Personen im
Alter von 18 bis 35 Jahren (65 Prozent) und die städtische Bevölkerung (66 Prozent). Kein Wunder,
sind die Jungen und die Städter auch am ehesten für bauliche Massnahmen zur Lösung der
Wohnungsnot zu gewinnen. 52 Prozent der jungen Befragten (18–35 Jahre) wären bereit, höher zu
bauen (mehr als 6 Stockwerke), und 54 Prozent der Städter. Höhere Häuser in städtischen
Gebieten könnten somit eine politische Schneise zu mehr Wohnraum sein. «Lassen wir die Personen
in den Städten Lift statt Auto fahren», sagt Büsser. «Dies auch deshalb, weil die Umfrage zeigt, dass
höhere Häuser nur direkt in der Stadt akzeptiert werden – in der Agglomeration kippt die Stimmung
sofort: Dort sagen nur noch 39 Prozent «Ja» zu höheren Gebäuden.» Die relative Mehrheit
für die Einschränkung von Einsprachen könnte – politisch geschickt verpackt – der
zweitwahrscheinlichste Weg zu mehr Wohnraum werden. «Ohne schnellere Baugenehmigungen
bleiben die Kräne stehen. Und ohne höhere Häuser wird es in den Städten keine Entspannung
geben», sagt Büsser. Frauen nehmen Wohnungsnot wahr, aber lehnen Massnahmen
dagegen ab Obwohl Männer und Frauen die Wohnungsnot nahezu gleich stark
wahrnehmen (59 Prozent vs. 58 Prozent), unterscheiden sich ihre Haltungen zu Massnahmen
massiv: Während 54 Prozent der Männer höhere Gebäude befürworten, sind es bei den Frauen nur
36 Prozent. Ähnlich bei dichterer Bebauung (Männer 33 Prozent, Frauen 22 Prozent) oder neuen
Bauzonen (Männer 39 Prozent, Frauen 21 Prozent). Auch Einsprachen würden Männer eher
einschränken (53 Prozent) als Frauen (41 Prozent). «Frauen tragen oft die Hauptlast für
Familie und Nachbarschaft – Veränderungen im Wohnumfeld werden daher wohl stärker als Verlust
von Lebensqualität wahrgenommen», erklärt Büsser. «Männer denken hier anscheinend
pragmatischer und sind eher bereit, Kompromisse einzugehen – und sie tragen vielleicht auch noch
immer eher die Finanzlast der Mieten.» Insgesamt stehe die Schweiz vor einer Zukunft mit
hoher Nachfrage nach Wohnraum, zu tiefer Bautätigkeit und grossen politischen Hürden. Dabei weist
der Experte auf das soziale Spannungsfeld hin, vor dem die Wohnpolitik stehe: «Die massiv
steigenden Mieten betreffen alle – aber die Massnahmen dagegen spalten nach Geschlecht und
Alter.» Gleichzeitig sei laut Büsser nicht absehbar, ob bauliche Lösungen der Wohnungsnot
künftig auf mehr Zustimmung stossen würden. Sie seien ähnlich unbeliebt wie in der früheren
Umfrage vom Mai 2025. Nur bei einer Frage gab einen statistisch signifikanten Unterschied: ob man
der Ausweisung neuer Bauzonen zustimmen würde, selbst wenn dadurch Landwirtschafts- oder
Grünflächen verloren gingen. Dort stimmen aktuell 30 Prozent zu, während es 2025 noch 25 Prozent
waren. Hier hat sich die Stimmung also etwas zugunsten von mehr Wohnungsbau verbessert, aber
ist noch weit entfernt von einer mehrheitlichen Zustimmung. «Politik und Bauherren
brauchen Geduld, Mut – und gute Argumente. Vor allem gegenüber Frauen und in ländlichen
Regionen», kommentiert Büsser. «Nun müssen wir uns entscheiden: Wollen wir die Wohnungsnot
ernsthaft bekämpfen oder nur darüber reden? Ohne höher zu bauen und ohne schnellere
Baubewilligungsverfahren wird sich die Wohnungsnot verschärfen.» Methodik Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von
comparis.ch im November 2025 unter 1’039 erwachsenen Personen in allen Regionen der Schweiz
durchgeführt. Weitere Informationen: Harry
Büsser
Immobilienexperte
Telefon: 044 360 53 91
E-Mail:
comparis.ch
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