Über die Eigenschaften der auf dem Schweizer Schwarzmarkt verkauften Cannabisprodukte
liegen nur wenige Daten vor. Durch die Einführung von Pilotprojekten zum Verkauf von Cannabis seit
2023 stehen nun bessere Daten zu diesem Thema zur Verfügung. In der öffentlichen Diskussion wird
unter anderem die Frage aufgeworfen, ob diese vom Bund genehmigten Pilotprojekte in der Lage
sind, mit dem Schwarzmarkt zu konkurrieren. Der von Sucht Schweiz erstellte Bericht
"Analyse der THC-Gehalte, Preise und Kaufart von Cannabis auf dem Schwarzmarkt im Kanton
Waadt"(Französisch, mit Zusammenfassung auf Deutsch) stützt sich auf die Auswertung von fünf
Datenquellen: Polizeibeschlagnahmungen, CannCheck- und Drug-Checking-Projekte, die
Europäische Online-Drogenumfrage (ESWD) und das Pilotprojekt Cann-L. Diese einzigartige
Datensammlung ermöglicht es, eine Reihe von Informationen über THC-Gehalte, gezahlte Preise und
gekaufte Mengen sowie die Beschaffungspraktiken auf dem Waadtländer Schwarzmarkt für Cannabis
miteinander zu verknüpfen. Starke Preisvariationen und Unsicherheiten bezüglich des
THC-Gehalts auf dem Schwarzmarkt Die Daten zeigen starke Variationen bei den
Preisen für Cannabisprodukte (1 bis 37 CHF pro Gramm) sowie beim THC-Gehalt von Blüten (1 %
bis 33 %) und Harzen (2 % bis 61 %), was auf illegalen Märkten nicht ungewöhnlich ist. Auf diesen
verfügen die Konsumierenden nur über wenige Informationen, um ihre Entscheidungen zu treffen,
und sind grosser Unsicherheit und verschiedenen Risiken ausgesetzt. Der durchschnittliche
THC-Gehalt des auf dem Waadtländer Schwarzmarkt gehandelten Cannabis variiert je nach
Produktart: Blüten weisen durchschnittlich 13-15 % THC auf, während Harze nach einer jüngsten
Steigerung nun doppelt so viel (30 %) enthalten. Die Durchschnittspreise pro Gramm sind hingegen
für Blüten (10 CHF pro Gramm) höher als für Harz (8 CHF). Letzteres wird in der Regel importiert und
ist mittlerweile das Produkt mit dem höchsten Wirkstoffgehalt und dem niedrigsten Preis auf dem
Schwarzmarkt. Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen der gekauften Menge und dem
Preis, was einem Mengenrabatt gleichkommt. Bei kleinen Mengen (1-3 Gramm) liegen die
durchschnittlichen Preise daher deutlich höher und liegen bei etwa 14 CHF pro Gramm für Blüten und
12 CHF für Harz. Es gibt andererseits keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem gezahlten
Preis und dem THC-Gehalt der beiden Produkte, was verdeutlicht, dass dieser Markt für die
Konsumierenden oft einer Lotterie gleicht. Dealer und Freunde bleiben die wichtigsten
Bezugsquellen Der Direktkauf ist die vorherrschende Bezugsquelle auf dem
Schwarzmarkt, hauptsächlich bei Dealern oder Freunden/Bekannten, während Weitergabe,
Eigenproduktion und Kauf über das Darknet oder soziale Netzwerke bisher eher eine untergeordnete
Rolle zu spielen scheinen. Das Cann-L-Pilotprojekt im Vergleich zu Produkten auf dem
Schwarzmarkt Die Hauptunterschiede zwischen Produkten auf dem Schwarzmarkt und
denjenigen, die im Rahmen des Pilotprojekts der Stadt Lausanne angeboten werden, sind der höhere
durchschnittliche THC-Gehalt der Harze und die niedrigeren Preise beim Kauf grosser Mengen
Cannabis. Ansonsten scheint das Angebot des Pilotprojekts konkurrenzfähig zu sein, und beinhaltet
zusätzlich Qualitätskontrollen (THC-Gehalt, Schimmelpilze, Pestizide usw.), Vorhersehbarkeit und
Betreuung, was im Schwarzmarkt fehlt. Deswegen geben die meisten Teilnehmer des Pilotprojekts
an, sich ganz oder zumindest teilweise vom Schwarzmarkt zurückgezogen zu haben, wodurch
diesem im Jahr 2024 fast eine Million Franken Umsatz entzogen wurden (Udrisard et al., 2025). Pressekontakt:
Sucht
Schweiz
Markus Meury, Mediensprecher
mmeury@suchtschweiz.ch
021 321 29 63
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