In der Stöckli-Manufaktur in Malters bei Luzern fügen sich Holz, Fasern und Harze wie in einer
sorgfältig komponierten Partitur zusammen. Beim letzten verbliebenen Skihersteller in der Schweiz
verschmelzen traditionelles Handwerk und automatisierte Prozesse. Das fachkundige Auge und
jahrelange Erfahrung ergänzen die reproduzierbare, maschinelle Präzisionsarbeit: Von Hand wird
justiert und perfektioniert. Jedes Paar Ski entsteht so aus einem ständigen Dialog zwischen
manueller Expertise und industriellen Verfahren. Dazu kommt im Hintergrund ein weiterer Motor: die
wissenschaftliche Forschung. "Wenn man einen Ski optimieren will, muss man verstehen, wie
Skifahrer, Material und Schnee interagieren", erklärt Mathieu Fauve, Leiter der Abteilung Forschung
und Entwicklung der Firma. Bei diesem Ansatz kommen mehrere Disziplinen zum Zug: die Tribologie
oder Reibungslehre, die Biomechanik, die Dynamik oder auch die Oberflächenphysik. Denn Schnee
ist ein höchst komplexes, unberechenbares Material, dessen Reaktionen noch nicht vollständig
geklärt sind.Das wissenschaftliche Interesse dient bei Stöckli keinem Selbstzweck, sondern beflügelt
seit Jahrzehnten das Wachstum der Gruppe. In den letzten zehn Jahren konnte das Unternehmen
den Absatz von rund 35'000 Paar Ski auf fast 80'000 Paar pro Jahr steigern. Heute gehen 65 Prozent
davon in den Export, der geschätzte Umsatz beträgt gegen 60 Millionen Franken. Diese
wirtschaftliche Dynamik schafft auch neue Arbeitsplätze. Stöckli beschäftigt inzwischen 220 bis 250
Mitarbeitende, davon rund 80 Produktionsmitarbeitende am Standort Malters - doppelt so viele wie
vor zehn Jahren allein in der Fertigung. Die Skis von Marco Odermatt Das
Forschungsteam ist von zwei auf fünf Personen angewachsen. "Wir haben in den letzten Jahren
neue Mitarbeitende eingestellt, was in der Skibranche sicher nicht die Regel war", erzählt Mathieu
Fauve. In einer Zeit, in der viele Marken ihre Produktion nach Asien verlagern, hat das Luzerner KMU
einen anderen Weg eingeschlagen: Es hält am Standort Schweiz fest und setzt auf eine enge
Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungslabors. Wie wichtig der wissenschaftliche
Beitrag ist, zeigt ein Blick nach Davos. Hier befindet sich das SLF, das renommierte Institut für
Schnee- und Lawinenforschung und bewährter Partner von Stöckli. Gemeinsam mit dem SLF-Team
hat das Unternehmen die Beschaffenheit und das Verhalten von Eiskristallen je nach Temperatur und
Luftfeuchtigkeit analysiert. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden schnellere Beläge mit geringerer
Reibung auf Schnee. Dieser leichte Tempogewinn kann ein Rennen entscheiden. Auch in den
Skis von Olympiasieger Marco Odermatt, der beim Schweizer Ausrüster unter Vertrag steht, stecken
die Ergebnisse dieser Forschung in sich. Die Rennen in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom werden
dabei zum erweiterten Labor. "Häufig fliessen Innovationen, die wir für den Spitzensport entwickeln,
auch in die Serienmodelle für den Breitensport ein", erklärt Mathieu Fauve. Die Wissenschaft verleiht
Impulse, der Wettkampf bringt die Bestätigung. Ein Schildkrötenpanzer als
Ausgangspunkt für Innovation Eines der ungewöhnlichsten Projekte aus dem Hause
Stöckli begann fernab der Piste mit einer wissenschaftlichen Publikation über den Aufbau von
Schildkrötenpanzern. Bei einem Seminar über bio-inspirierte Materialien liess sich die Forscherin
Véronique Michaud vom Labor für Verbundstoff- und Polymertechnologie der EPFL von dieser
Architektur aus dem Tierreich inspirieren. Der Panzer von Schildkröten verhält sich nämlich je nach
Belastung flexibel oder starr. Vielleicht kann ein Ski ebenfalls so anpassungsfähig reagieren?
Aus dieser Idee entstand 2016 eine Zusammenarbeit mit Stöckli. "Dieses Projekt steht exemplarisch
für unseren Ansatz: Die Forschung sendet einen Impuls, wir prüfen in gemeinsamen Arbeiten die
Relevanz und zuletzt folgt die industrielle Umsetzung", fasst Mathieu Fauve zusammen. So war es
auch in diesem Fall: Eine Studie öffnete neue Türen, in der Werkstatt tauchten Prototypen auf,
danach begannen die Testserien. Von der Idee bis zur Serienproduktion verstrichen beinahe drei
Jahre. Einige Jahre später steckt diese Technologie immer noch in mehreren Modellen der Marke.
Sie ist originell, effektiv und beim Skiverkauf einfach zu erklären. Ein perfektes Beispiel für ein
erfolgreiches Zusammenspiel von Forschung und Anwendung. Hand in Hand mit den
Hochschulen Für seine F&E-Projekte setzt Stöckli regelmässig auf das akademische
Ökosystem der Schweiz. "Es ist eine Win-Win-Situation: Wir bei Stöckli kommen schneller voran, und
die Hochschulen können Stellen finanzieren, publizieren und an Sichtbarkeit gewinnen". Derzeit
untersucht das Unternehmen die Lebensdauer seiner Produkte, zudem will es die biomechanischen
Belastungen verringern, damit Skibegeisterte weniger schnell ermüden. Diese Fragen eröffnen neue
Partnerschaften mit Studierenden und Forschungszentren. Ein Beweis dafür, dass sich der
Innovationskreislauf nie ganz schliesst. Diese Dynamik geht weit über die Produktionsstätte in
Malters hinaus: Eingebunden sind ein Netzwerk von mehrheitlich europäischen Lieferbetrieben und
über Tausend Vertriebspartner weltweit sowie zehn eigene Sportfachgeschäfte in der Schweiz (5
ständige und 5 saisonale). Das Wachstum von Stöckli wird durch die Zusammenarbeit mit der
Forschungswelt stimuliert, bereichert die ganze Region und festigt das Image der Schweiz als Land
der Exzellenz. Der Text dieser News und weitere Informationen stehen auf der Webseite des
Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung. Pressekontakt:
Schweizerischer
Nationalfonds
Abteilung Kommunikation
E-Mail:com@snf.ch
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