Weltweit werden jährlich 340 Millionen Tonnen Fleisch produziert, Tendenz steigend. Die Folgen
sind dramatisch: Die Mastindustrie emittiert enorme Mengen von Treibhausgasen und strapaziert den
globalen Wasserhaushalt. Die schnelle Aufzucht geht zulasten des Tierwohls und ein übermässiger
Fleischkonsums kann gesundheitliche Folgen haben. Ökologie, Tierwohl und Gesundheit:
"Aus diesen drei Gründen decken immer mehr Menschen den lebensnotwendigen Proteinbedarf mit
pflanzlichen Lebensmitteln ab", sagt Lukas Böni, Mitgründer und Innovationsverantwortlicher beim
Zürcher Foodtech-Unternehmen Planted. In den 2010er-Jahren liess die Nachfrage der
Konsumentinnen und Konsumenten eine breite Palette von alternativen Fleischprodukten entstehen,
hergestellt aus proteinhaltigen Hülsenfrüchten wie Soja, Bohnen, Erbsen oder Linsen. Was es damals
aber noch nicht gab, war ein Fleischersatz ohne chemische Zusatzstoffe, die zum Beispiel die Textur
verbessern oder die Haltbarkeit verlängern. "Das wollten wir ändern", erinnert sich
Lebensmitteltechnologe Böni. Ein halbes Jahr nach Abschluss seines Doktorats gründete er
zusammen mit Eric Stirnemann und Judith Wemmer, die er von der ETH her kannte, sowie mit den
beiden Ökonomen Christoph Jenny und Pascal Bieri die Firma Planted. Gelberbsen, Öl,
Wasser und Salz Das erste Produkt basierte auf der Doktorarbeit von Eric Stirnemann
am Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften der ETH Zürich. Der Titel lautete
"Viskoelastischer Fluss von pflanzlichen Proteinschmelzen unter Extrusionsbedingungen mit hoher
Feuchtigkeit". Stirnemanns Grundlagenforschung erlaubte es, aus Gelberbsen, Wasser, Rapsöl und
Salz eine Masse zu extrudieren (durch eine Öffnung eine Masse herauspressen), die in Farbe, Biss
und Konsistenz einem Stück Poulet glich. Im Mai 2020 - nur wenige Monate nach der
Firmengründung - nahm Coop das "Planted Chicken" in seine Regale auf. Unterdessen ist das
vegane Fleisch von Planted in mehr als 6500 Restaurants und über 10'000 Detailhandelsgeschäften
in ganz Europa erhältlich. Für die fünf Jungunternehmerinnen und -unternehmer war indes
klar: Da musste mehr kommen. Ebenfalls unstrittig war der Weg, der mittelfristig zu neuen Produkten
führen sollte: die Fermentation, ein biochemischer Prozess, den die Menschheit seit Jahrtausenden
nutzt und der nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Veredeln mit
Mikroorganismen Tatsächlich zählt die Gärung neben dem Erhitzen zu den wichtigsten
Prozessen der Lebensmittelindustrie. So unterschiedliche Lebensmittel wie Sauerkraut, Bier, Käse,
Schokolade, Joghurt oder Wein verdanken ihre Aromen und Texturen mindestens einem
Veredelungsschritt mit Bakterien und anderen Mikroorganismen. Böni hatte sich schon als
Teenager mit Mikroorganismen beschäftigt. Als Maturaarbeit überreichte er seinem Lehrer eine
selbstgemachte Schokolade. Im Frühling 2021 legte er mit der Entwicklung eines Fleischersatzes los;
zusammen mit Patrick Rühs, dem damaligen wissenschaftlichen Leiter von Planted und heutigen
Professor am Institut für Lebensmittelwissenschaften, Ernährung und Gesundheit der ETH Zürich.
Die beiden untersuchten, wie extrudierte Proteinmischungen auf eine Gärung reagieren und
verbanden die beiden Verfahren zu einem neuen Ansatz, um Geschmack und Textur zu verfeinern.
Tauchten Fragen auf, welche die wissenschaftlichen Möglichkeiten eines Startups
überstiegen, suchten die Planted-Experten die Zusammenarbeit mit Hochschulen; zum Beispiel mit
der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). In einem Projekt mit der
Gruppe Food Biotechnology Research der ZHAW in Wädenswil wurden ganze Sammlungen von
Mikroorganismen durchforstet. Das Ziel: Die Detektion von Gärbakterien, die unerwünschten
Geschmack in angenehmes Aroma umwandeln. Jedes Gärprodukt wurde begutachtet; zuerst
mit dem Auge und der Nase. Wenn etwas vielversprechend aussah oder roch, kam es ins Labor. Dort
untersuchten die Forschenden die mikrobiologische Zusammensetzung, den PH-Wert, die Saftigkeit,
den Salzgehalt und die Zerfallsprodukte. International anerkannte Forschung "Wir finden viel Foodtech-Kompetenz in unmittelbarer Nähe", sagt Lukas Böni. Die
ernährungswissenschaftlichen Institute der ZHAW in Wädenswil, der ETH Zürich oder der Universität
Freiburg bilden einen Innovationscluster mit internationaler Ausstrahlung. Über die Jahre, so Böni, sei
ein weitverzweigtes Netzwerk entstanden: "Das hilft uns zu sehen, was die Kolleginnen und Kollegen
aus der Forschung in der Pipeline haben." Im März 2023 erfolgte der Durchbruch: Ein kleines
Stück fermentiertes rotes Pflanzenfleisch aus Soja genügte den hochgesteckten Anforderungen
bezüglich Farbe, Saftigkeit und Textur. Nun waren die Köchinnen und Köche von Planted am
Zug. Das Foodtech-Unternehmen betreibt am Hauptsitz auf dem ehemaligen Maggi-Areal im
zürcherischen Kemptthal drei Grossküchen. Der Prototyp wurde einer Geschmacksprobe unterzogen.
Eine Degustationsreihe mit der Geschäftsleitung verlief glänzend. "Es war für uns alle ein
Wow-Moment", erinnert sich Böni. Kurz darauf beschloss die Geschäftsleitung, die finanziellen und
personellen Ressourcen auf das neue "Planted Steak" zu konzentrieren. Starkes
Wachstum in den Kernmärkten Der Effort lohnte sich: Bereits im Folgejahr nahm Coop
als erster Detailhändler das pflanzliche Steak ins Sortiment auf. Es folgten Listungen bei Rewe und
Kaufland in Deutschland, Tesco in Grossbritannien, Carrefour in Frankreich, Albert Heijn in Holland
sowie bei der Migros in der Schweiz. Diesen Sommer ging im bayrischen Memmingen ein neues
Fermentationswerk in Betrieb. Die Produktion wird laufend hochgefahren. "Planted Steak" trägt
bereits rund 20 Prozent zum Umsatz bei. Finanziert hat sich Planted bisher über so genannte
"Business Angel" und Risikokapitalgeber. Die Investorinnen und Investoren kommen aus der
Schweiz, Europa und den USA. Insgesamt sammelte das Team in mehreren Finanzierungsrunden
115 Millionen Franken. Bis Ende 2025 schufen die Gründungsmitglieder 200 Arbeitsplätze.
Die Belegschaft produziert täglich rund 20 Tonnen alternative Proteine. Jetzt gilt es, den
technologischen Vorsprung zu nutzen und Planted als europaweiten Innovationsleader zu etablieren.
Lebensmitteltechniker Böni pendelt derweil weiter zwischen Labor und Küche. Das nächste
Projekt ist ein fermentierter Aufschnitt. Die Grundlagen bilden wieder Experimente mit Bakterien und
Schimmelpilzen. Der Text dieser Medienmitteilung, ein Download-Bild und weitere
Informationen stehen auf der Webseit des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung.
Pressekontakt:
Schweizerischer Nationalfonds
Abteilung Kommunikation
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